Wann muss die Elektrik im Altbau erneuert werden?
In Bergedorf und in den älteren Hamburger Stadtteilen stehen viele Häuser, deren Elektrik älter ist als die meisten der heutigen Bewohner. Manche funktionieren noch, andere sind schon längst überfällig. Hier eine ehrliche Einschätzung aus der Praxis: wann eine Sanierung wirklich nötig wird, und wann man sich Zeit lassen kann.
Es gibt keine gesetzliche Pflicht (aber ein paar Spielregeln)
Eine generelle gesetzliche Pflicht, eine alte Elektroinstallation zu erneuern, gibt es nicht. Anders gesagt: solange die Anlage zum Zeitpunkt ihres Einbaus den damals gültigen Regeln entsprach und keine konkrete Gefahr ausgeht, muss niemand tauschen.
Aber es gibt Situationen, in denen ein Tausch faktisch erzwungen wird:
- bei Smart-Meter-Einbau, wenn der Zählerschrank nicht passt
- bei größeren Renovierungen, wenn Wände sowieso geöffnet werden
- bei PV- oder Wallbox-Installation, wenn die Verteilung an Grenzen stößt
- bei einem Schadensfall, den die Versicherung prüft
- bei Eigentümerwechsel, wenn der Käufer es zur Bedingung macht
In all diesen Fällen werden viele Eigentümer eines Hamburger Altbaus früher oder später vor der Frage stehen.
Die wichtigsten Warnzeichen aus der Praxis
Wenn Sie in einem Altbau wohnen oder einen kaufen wollen, sind das die typischen Hinweise auf eine erneuerungsbedürftige Elektrik:
Schraubsicherungen statt Leitungsschutzschaltern. Schraubsicherungen sind technisch in Ordnung, aber selten in Kombination mit FI-Schutz verbaut. Die Sicherheitsstandards haben sich seit den 70ern stark gewandelt.
Wenig oder gar kein FI-Schutz. FI-Schalter sind seit den 80ern Stand der Technik, in Bädern und Außenbereichen seit langem Pflicht. In vielen Altbauten fehlen sie komplett.
Stoff-isolierte Leitungen. Vor 1965 üblich. Die Isolierung wird mit der Jahrzehnten spröde, im Extremfall liegen die blanken Drähte irgendwann fast frei. Ein Risiko für Kurzschluss und Brand.
Aluminium-Leitungen. In den 60er und 70er Jahren in einigen Hamburger Quartieren verbaut. Aluminium ist nicht per se gefährlich, aber an Übergängen zu modernen Klemmen (meistens aus Kupfer) entstehen mit der Zeit Probleme.
Zwei-Drahtsystem ohne Schutzleiter. In sehr alten Wohnungen gibt es nur Phase und Neutralleiter, kein eigener Schutzleiter (PE). Moderne Geräte mit Schutzkontakt-Stecker funktionieren zwar, sind aber im Fehlerfall nicht ausreichend geschützt.
Nicht genug Steckdosen. Eine Steckdose im Wohnzimmer reicht heute keinem mehr. Wer Mehrfachsteckdosen kaskadiert, weil die Wand nur eine Dose hat, lebt unkomfortabel und im Zweifel auch nicht ganz sicher.
Was eine Komplettsanierung wirklich umfasst
Eine richtige Komplettsanierung der Elektrik in einer Wohnung oder einem Haus besteht aus mehreren Bausteinen. Die Reihenfolge ist oft so:
- Begehung und Bestandsaufnahme (kostenlos, ein bis zwei Stunden)
- Aufmaß und Planung, wo welche Steckdose, welcher Schalter, welche Leuchte hin soll
- Zählerschrank tauschen mit moderner Verteilung, FI/LS-Schaltern, Reserve
- Stemmarbeiten und Leitungen ziehen: typisch der schmutzigste Teil, oft drei bis fünf Tage
- Steckdosen, Schalter, Beleuchtung setzen
- Funktionsprüfung und Messprotokoll (E-Check)
- Übergabe und Dokumentation
Bei einer durchschnittlichen Drei-Zimmer-Wohnung von 70 bis 90 Quadratmetern liegt die Bauzeit zwischen einer und zweieinhalb Wochen, abhängig davon, ob die Bewohner während der Arbeiten ausziehen oder nicht.
Was es kostet
Grobe Hausnummern aus der Hamburger Praxis 2026:
- Drei-Zimmer-Wohnung Komplettsanierung: 8.000 bis 18.000 Euro
- Einfamilienhaus mit zwei Etagen: 15.000 bis 35.000 Euro
- Reihenhaus mit Keller und Spitzboden: 12.000 bis 28.000 Euro
Die Spanne ist groß, weil sehr viel davon abhängt, ob die Wände aufgestemmt werden müssen oder ob im Rahmen einer ohnehin laufenden Sanierung mitgemacht werden kann. Wer die Elektrik im Rahmen einer Trockenbau-Maßnahme oder einer Komplettsanierung mit dem Maler zusammen plant, spart oft 20 bis 30 Prozent.
Etappenweise oder alles auf einmal?
In bewohnten Wohnungen empfehlen wir oft eine Etappen-Lösung. Erst der Zählerschrank, dann ein Raum nach dem anderen. So bleibt das Leben im Haus möglich, die Investition verteilt sich auf mehrere Jahre. Wir planen das vorab so, dass die Etappen aufeinander aufbauen und am Ende alles zusammenpasst.
Bei einem Eigentümerwechsel oder bei einer Wohnung, die ohnehin leer steht, raten wir zu Komplettsanierung in einem Rutsch. Das ist günstiger pro Quadratmeter, schneller, und die Wohnung ist danach für lange Zeit auf modernem Stand.
Wann es wirklich pressiert
Drei Fälle, in denen wir empfehlen, nicht zu warten:
- Stoff-isolierte Leitungen, die spröde sind: Risiko Brand
- Steckdosen, die warm werden: Risiko Brand
- Fehlender FI im Bad bei Haushalt mit Kindern: Risiko Stromschlag
In allen anderen Fällen kann man planen, vergleichen, sich Zeit lassen.
Kostenlose Erstbegehung
In Bergedorf und im direkten Umkreis kommen wir kostenlos vorbei und schauen uns die Anlage an. Das dauert eine halbe bis volle Stunde, am Ende wissen Sie ehrlich, woran Sie sind. Wenn alles in Ordnung ist, sagen wir es. Wenn nicht, bekommen Sie eine Empfehlung in der Reihenfolge, in der wir vorgehen würden.
Telefon: 0176 / 811 767 96 Mail: Info@Ehlers-Elektrotechnik.de