Türsprechanlage oder Video: was lohnt sich wirklich?
Wer eine alte Sprechanlage ersetzen lässt, steht früher oder später vor dieser Entscheidung. Audio reicht, oder soll es Video sein? Die Hersteller (Siedle, Gira, TCS, Ritto) verkaufen beides, und die Aufpreise für Video sind in den letzten Jahren spürbar gesunken. Trotzdem ist Video nicht in jedem Fall die richtige Wahl. Hier eine ehrliche Einordnung.
Was Audio kann, was Video zusätzlich kann
Eine Audio-Sprechanlage tut, was sie soll: Klingelknopf gedrückt, Bewohner hört das, drückt die Sprechtaste, fragt wer da ist, drückt den Türöffner. Bei guter Anlage hört man den Besucher klar, der hört einen genauso. Die Verkabelung ist überschaubar (oft 2-Draht-Bus), die Komponenten halten 20 bis 30 Jahre.
Eine Video-Sprechanlage zeigt zusätzlich ein Bild der Person vor der Tür. Bei moderneren Anlagen sogar mit Weitwinkel, Nachtsicht, manchmal Bewegungsmelder, manchmal Bildaufzeichnung. Das hat in bestimmten Situationen echten Wert. In anderen ist es Spielerei.
Wann Video echten Mehrwert hat
Vier Konstellationen, in denen wir Video aktiv empfehlen:
Einfamilienhaus mit großem Grundstück oder langer Auffahrt. Wenn der Klingelpunkt nicht direkt an der Haustür ist, sondern am Hoftor oder am Gartentor 15 Meter weiter, kann man von innen nicht sehen, wer geklingelt hat. Video löst das. In den Vier- und Marschlanden, aber auch in Wentorf und Geesthacht haben wir öfter Grundstücke mit Hoftor und langem Weg zum Haus. Da macht Video Sinn.
Mehrfamilienhaus mit Hinterhof oder Hofdurchfahrt. Wenn es zwei Eingänge gibt (Vorderseite und Hinterhof) oder eine Hofdurchfahrt mit Tor, sieht man oft nicht, wer kommt. Video schafft Überblick, und Bewohner können entscheiden, ob sie öffnen.
Haushalte mit eingeschränkter Mobilität. Ältere Bewohner, die nicht jedes Mal zur Tür laufen wollen, profitieren stark. Sie sehen vom Sofa aus, ob die Tochter kommt oder ein Vertreter, und können entscheiden, ob sich der Weg zur Tür lohnt.
Häuser mit häufigen Lieferungen oder Besuchern. Praxen im Erdgeschoss, kleine Gewerbeflächen, Familien mit vielen Paketen. Video hilft, schnell zu entscheiden, ob es sich um den Paketboten handelt oder um jemand anderen.
Wann Audio reicht
Drei Konstellationen, in denen Video sich nicht lohnt:
Klassisches Mehrfamilienhaus mit normaler Hauseingangstür. Die Klingel ist direkt neben der Haustür, der Bewohner geht eh runter, wenn der Besucher rein soll. Hier liefert Video wenig zusätzliche Information.
Junge Bewohner mit Smartphone-Türsprechanlage über andere Wege. Wer in einem WG-Setup wohnt oder eine Klingel-App über andere Systeme nutzt, braucht keine Video-Hardware im Treppenhaus.
Sehr enges Budget bei der Modernisierung. Wenn die Eigentümergemeinschaft sich nicht auf einen großen Aufpreis einigt: lieber eine gute Audio-Anlage installieren als gar nichts modernisieren. Video kann oft später nachgerüstet werden, wenn die Verkabelung passend gewählt wird.
Was Video an Mehrkosten bedeutet
Hausnummern aus unseren Bergedorfer Projekten:
| Hausgröße | Audio | Video |
|---|---|---|
| Einfamilienhaus | 1.200 bis 2.800 Euro | 2.200 bis 4.500 Euro |
| Doppelhaushälfte | 1.400 bis 3.000 Euro | 2.400 bis 4.800 Euro |
| 4-Familien-Haus | 2.500 bis 4.500 Euro | 4.500 bis 7.500 Euro |
| 8-Familien-Haus | 5.500 bis 9.500 Euro | 8.500 bis 15.000 Euro |
Der Aufpreis für Video liegt bei kleinen Anlagen oft bei 1.000 bis 1.500 Euro. Bei großen Mehrfamilienhäusern sind es 3.000 bis 6.000 Euro Mehrkosten, weil jede Innenstation ein Display braucht.
Bei der reinen Außenstation ist der Aufpreis für Video relativ klein, oft 200 bis 400 Euro. Der Hauptkostentreiber sind die Innengeräte, weil jeder Bewohner ein Display bekommen muss.
Smartphone-Anbindung als Sonderfall
Eine moderne Variante, die wir öfter installieren: die Sprechanlage hat eine IP-Schnittstelle, der Bewohner kann per App auf dem Handy ans Telefon gehen und die Tür öffnen, auch von unterwegs.
Klingt nach Zukunft, hat aber Tücken:
- Funktioniert nur, wenn die App-Server des Herstellers laufen. Wenn der Hersteller die App einstellt (passiert!), ist das Feature weg.
- Setzt stabiles WLAN voraus, zumindest in der Wohnung des Bewohners.
- Datenschutz: der Hersteller sieht potentiell, wer wann klingelt.
- Praktischer Nutzen: oft kleiner als gedacht. Niemand will von Mallorca aus die Tür öffnen, und Pakete legen die Boten meistens auch ohne Fernauslösung ab.
Wir installieren das, wenn der Kunde es ausdrücklich will. Wir verkaufen es nicht von uns aus als Lösung, die jeder braucht.
Was bei Video an Sicherheit zu beachten ist
Wenn die Anlage Bild aufzeichnet (manche tun das, andere nicht), wird der Datenschutz relevant. Aufnahmen des öffentlichen Bereichs vor der Haustür sind in Deutschland in der Regel nicht erlaubt. Aufzeichnung darf nur erfolgen, wenn der Klingelvorgang aktiv ausgelöst wird, und nur für kurze Zeit (Sekunden bis wenige Minuten).
In einer Mietshausgemeinschaft müssen alle Bewohner zustimmen, wenn aufzuzeichnen ist. In einer WEG braucht es einen Mehrheitsbeschluss. Wir installieren die Geräte standardmäßig ohne Aufzeichnungsfunktion, sondern als reine Bild-/Tonübertragung im Moment des Klingelns.
Wann sich der Aufpreis amortisiert
Das ist ein Stück weit subjektiv. Was sich messen lässt:
- Bei einem 250.000-Euro-Haus in Lohbrügge sind 1.200 Euro Aufpreis 0,5 Prozent vom Hauspreis. Bei einer 30-jährigen Nutzungsdauer der Anlage 40 Euro pro Jahr.
- Bei einem Mehrfamilienhaus mit 8 Wohnungen, das pro Wohnung 400 Euro Aufpreis bedeutet, sind das auf 25 Jahre Lebensdauer 16 Euro pro Wohnung pro Jahr.
Lohnt sich das? Wenn der subjektive Sicherheits-Gewinn die 16 Euro pro Jahr wert ist, ja. Wenn nicht, nein. Wir sagen ehrlich: in den meisten Bestandsbauten in Bergedorf, in denen wir modernisieren, entscheiden sich die Eigentümer mittlerweile für Video, weil der Aufpreis überschaubar ist und der Komfort spürbar.
Was wir typischerweise empfehlen
- Einfamilienhaus, junge Familie, normales Grundstück: Audio reicht oft, Video ist nice-to-have
- Einfamilienhaus, ältere Eigentümer, langer Weg zur Tür: Video sinnvoll
- Mehrfamilienhaus, klassische Stadtlage, ein Eingang: Audio reicht meistens
- Mehrfamilienhaus, Hinterhof, mehrere Eingänge, gehobene Lage: Video lohnt sich
Kontakt
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Wir kommen kostenlos im Bezirk Bergedorf vorbei, schauen uns die Situation an und nennen Ihnen einen Festpreis für beide Varianten. Dann können Sie in Ruhe vergleichen.