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Energie 6 Min Lesezeit

Dynamische Stromtarife: Tibber, Awattar, Octopus und Co.

Wie dynamische Stromtarife funktionieren, wann sie sich rechnen, was Sie an Technik brauchen. Ehrliche Einschätzung aus der Praxis eines Hamburger Elektrikers.

Dynamische Stromtarife: Tibber, Awattar, Octopus und Co.

In den letzten zwei Jahren hat sich bei vielen unserer Kunden in Bergedorf und Wentorf die gleiche Frage gestellt. Lohnt sich so ein dynamischer Tarif, oder ist das eher was für Bastler? Hier die Antwort, so ehrlich wir sie geben können.

Was dynamisch eigentlich heißt

Beim klassischen Tarif zahlen Sie ein Jahr lang den gleichen Preis pro Kilowattstunde. Egal, ob Strom gerade im Überfluss vorhanden ist oder knapp. Beim dynamischen Tarif richtet sich der Preis nach dem Börsenstrompreis, dem sogenannten Spotmarkt, und ändert sich jede Stunde.

Konkret: Tibber, Awattar, Octopus Energy, 1KOMMA5° und ein paar weitere Anbieter geben den stündlichen EPEX-Spotmarkt-Preis plus einer Marge plus Netzentgelte plus Steuern an Sie weiter. Nachts um drei, wenn Wind weht und keiner Strom braucht, kostet die Kilowattstunde manchmal 18 Cent. Werktags um 18 Uhr im Januar bei Flaute können es 45 Cent sein.

Im Schnitt übers Jahr liegen dynamische Tarife in Hamburg oft etwas unter dem Festpreistarif. Aber der Schnitt ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass Sie steuern können, wann Sie Strom ziehen.

Wann sich das richtig lohnt

Drei Fälle, in denen wir dynamische Tarife wirklich empfehlen:

E-Auto mit Wallbox. Wenn Sie das Auto über Nacht laden, ist die Differenz zwischen Spitzen- und Tiefpreis Geld wert. Eine moderne Wallbox kann den Ladezeitpunkt automatisch in die günstigsten Stunden legen. Bei 12.000 Kilometern Jahresfahrleistung sprechen wir leicht über 200 bis 400 Euro Ersparnis gegenüber einem Festpreistarif. Pro Jahr.

Wärmepumpe. Wenn Pufferspeicher und Warmwasserspeicher vorhanden sind, kann die Wärmepumpe in den günstigen Stunden vorheizen und in den teuren Stunden pausieren. Voraussetzung: die Wärmepumpe muss das technisch können oder über eine SG-Ready-Schnittstelle angesteuert werden. Bei einigen älteren Geräten ist da nichts zu machen.

PV-Anlage mit Speicher. Hier wird es richtig spannend. Sie können den Speicher in den teuersten Stunden entladen, in den günstigsten nachladen, und PV-Überschuss verkaufen, wenn der Preis hoch ist. Mit dem richtigen Energiemanager (z. B. evcc, Home Assistant, 1KOMMA5°-System) holen Sie das raus.

Wann es sich nicht lohnt

Wer nur kocht, fernsieht, Wäsche wäscht und keine flexiblen Verbraucher hat, wird mit dynamischen Tarifen wenig gewinnen. Die Lastspitzen liegen meistens genau dann, wenn auch der Strom teuer ist (morgens, abends). Ohne Speicher, ohne Wallbox, ohne Wärmepumpe ist die Ersparnis oft zu klein, um das Risiko von Preisspitzen aufzuwiegen.

Ein konkreter Fall aus dem letzten Winter: eine Kundin in Lohbrügge wollte ihren Festpreistarif gegen Tibber tauschen. Stromverbrauch 2.800 kWh pro Jahr, normale Vier-Personen-Familie, kein E-Auto, keine Wärmepumpe. Wir haben durchgerechnet: maximal 30 Euro Ersparnis pro Jahr, bei deutlich mehr Aufmerksamkeitsaufwand. Sie hat den Festpreistarif behalten. Richtig so.

Was Sie technisch brauchen

Ohne Smart Meter (intelligentes Messsystem) geht bei Tibber, Awattar und Co. nichts. Der Anbieter braucht den 15-Minuten-Lastgang Ihres Hauses, um stundengenau abrechnen zu können. Wenn bei Ihnen noch ein alter Ferraris-Zähler hängt, ist das Thema in Hamburg leicht zu lösen, weil Stromnetz Hamburg ohnehin auf intelligente Messsysteme umstellt. Mehr dazu in unserem Artikel zum Smart-Meter-Rollout.

Dazu kommt: WLAN am Zählerschrank ist hilfreich, aber nicht zwingend. Die Anbieter setzen meistens auf das Gateway des Messstellenbetreibers. Manche, vor allem Tibber, bieten zusätzlich einen eigenen kleinen Stromzähler (Tibber Pulse) an, der via IR-Schnittstelle vom Zähler liest. Den kann man selbst nachrüsten, wenn die Schnittstelle frei ist.

Für die Steuerung von Wallbox oder Wärmepumpe brauchen Sie ein System, das auf den Preis reagiert. Das kann sein:

  • die Hersteller-App der Wallbox (KEBA, go-e, ABL, Easee bieten das teilweise schon)
  • ein offenes System wie evcc (kostenlos, läuft auf einem Raspberry Pi)
  • ein integriertes Komplettsystem wie 1KOMMA5° oder sonnen

Vorsicht bei Preisspitzen

Im Dezember 2022 gab es einzelne Stunden, in denen die Kilowattstunde brutto über einen Euro kostete. Die Anbieter haben das transparent gemacht, aber wer in dem Moment Wäsche gewaschen oder das Auto vollgeladen hat, hat richtig was bezahlt. Dynamische Tarife sind nichts, was man einrichtet und vergisst. Eine App-gestützte Übersicht, in der Sie morgens die heutigen Preise checken können, gehört dazu.

Außerdem: die Anbieter unterscheiden sich. Tibber hat eine schöne App und gute Wallbox-Integration. Awattar ist eher nüchtern, technisch sauber. Octopus Energy ist neu am deutschen Markt und arbeitet mit Tracker- und „Smart Charge"-Modellen. Wer wechselt, sollte sich nicht nur am Preis orientieren, sondern auch an der Software, die er täglich nutzt.

Unsere Empfehlung

Wenn Sie eine Wallbox planen oder schon haben, prüfen Sie einen dynamischen Tarif. Bei Wärmepumpe mit Pufferspeicher ebenfalls. Bei PV plus Speicher ohnehin. Ohne diese Verbraucher: lassen Sie es, der Aufwand lohnt nicht.

Wir können beim Aufmaß für die Wallbox prüfen, ob Ihr Zählerschrank bereits ein modernes Messsystem hat oder ob ein Tausch ansteht. Das beeinflusst, wie schnell Sie überhaupt zu Tibber oder einem anderen Anbieter wechseln können.

Kontakt

Wer wissen will, ob sich der Wechsel rechnet, sollte uns die letzte Jahresrechnung zeigen und kurz beschreiben, was an Großverbrauchern geplant ist. Wir rechnen das ehrlich durch, ohne Tarif-Provision im Hinterkopf.

Telefon: 0176 / 811 767 96 Mail: Info@Ehlers-Elektrotechnik.de

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Aufmaß im Bezirk Bergedorf ist kostenlos. Wir sind ab 8 Uhr erreichbar.