10 Energiespar-Tipps, die ein Elektriker beim Hausbesuch sieht
Wenn ich für einen Wallbox-Termin in einem Reihenhaus bin, schaue ich nicht nur auf den Zählerschrank. Man sieht auf den ersten Blick, wo Strom verbrannt wird, ohne dass es jemand merkt. Hier zehn Dinge, die mir immer wieder auffallen.
1. Der alte Heizstab im Warmwasserspeicher
In vielen 70er- und 80er-Jahre-Häusern in Lohbrügge und Wentorf steht im Keller ein 200-Liter-Warmwasserspeicher mit einem dicken Heizstab obendrauf. Der wurde damals als Notlösung oder Boost-Funktion eingebaut. Heute heizt der oft täglich, weil die Solarthermie nicht reicht oder die Gastherme zu schwach ist. Drei bis sechs Kilowatt elektrische Leistung, mehrere Stunden am Tag. Das macht im Jahr leicht 600 bis 1.200 Euro Stromkosten.
Lösung: Heizstab über ein zeitgesteuertes Relais nur dann freigeben, wenn dynamischer Strompreis günstig ist, oder PV-Überschuss zugeführt werden kann. Alternativ: ganz raus, neue Brauchwasser-Wärmepumpe rein. Letzteres ist teurer, lohnt sich bei hohem Verbrauch innerhalb von 5 bis 7 Jahren.
2. Der unsichtbare Standby-Sumpf
Mit dem Energiekosten-Messgerät am Verteiler messen wir oft 80 bis 150 Watt Dauerverbrauch im Haus, ohne dass irgendetwas eingeschaltet ist. Das sind 700 bis 1.300 kWh pro Jahr, also 250 bis 500 Euro.
Die üblichen Verdächtigen: Stereoanlage, AV-Receiver, alte Spielekonsolen, NAS-Festplatten ohne Schlaf-Funktion, Kaffeevollautomaten mit Heizvorhaltung, Mehrfachsteckdosen mit LED-Anzeige. Eine schaltbare Master-Slave-Steckdose oder ein einfacher Kippschalter an der Wand löst das pragmatisch.
3. Falsch dimensionierte LEDs
Wer vor zehn Jahren von Glühbirnen auf LED umgestiegen ist, hat oft die alten 60-Watt-Glühbirnen durch 12-Watt-LEDs ersetzt. Damals war das Stand der Technik. Heutige LEDs schaffen die gleiche Helligkeit mit 6 bis 8 Watt. Bei 30 Leuchtmitteln im Haus und durchschnittlich 1.000 Brennstunden pro Jahr: 120 bis 180 kWh Ersparnis durch reines Lampen-Tauschen.
Worauf achten: warmweiß 2700 K für Wohnräume, höhere Lumen pro Watt, dimmbar falls vorhanden. Marken-LEDs halten 15.000 bis 25.000 Stunden, Billig-Ware aus dem Discounter oft nur 5.000.
4. Die Heizungspumpe von 1995
In einem Haus in Bergedorf-Süd haben wir letzten Herbst eine ungeregelte Heizungsumwälzpumpe gefunden, Baujahr 1998. Die zog 90 Watt rund um die Uhr in der Heizperiode. Sechs Monate mal 24 Stunden mal 90 Watt: 388 kWh, etwa 130 Euro. Eine moderne Hocheffizienzpumpe braucht 5 bis 15 Watt. Ersparnis: rund 110 Euro pro Jahr. Die Pumpe kostet 200 Euro plus Einbau, hat sich also nach zwei Jahren amortisiert.
Das ist meist Aufgabe des Heizungsbauers, aber bei elektrischen Pumpen am Heizstab oder Zirkulationsleitungen sind wir genauso die richtige Adresse.
5. Zirkulationspumpe ohne Zeitschaltuhr
Wer im Bad nach drei Sekunden warmes Wasser hat, hat eine Zirkulationspumpe im Keller, die das warme Wasser im Kreislauf hält. Komfort, aber teuer: durchgehend Wärmeverlust durch die Rohre und Pumpenstrom. Eine simple digitale Zeitschaltuhr (oder die Pumpe via Smart-Home-Schalter ansteuern) reduziert die Laufzeit auf zwei Stunden morgens, eine Stunde abends. Spart leicht 150 kWh im Jahr.
6. Schlecht eingestellte Wärmepumpe
Wärmepumpen sind hocheffizient, aber nur, wenn sie richtig eingestellt sind. Wir sehen in der Praxis häufig: Vorlauftemperatur viel zu hoch (50 Grad statt 35), Sperrzeiten nicht genutzt, Pufferspeicher unsinnig groß und damit dauernd Bereitstellungsverluste.
Wenn Sie nach der Wärmepumpen-Installation eine Jahresarbeitszahl (JAZ) unter 3,5 messen, läuft etwas schief. Über den Energiezähler oder das Hersteller-Portal lesen Sie das ab. Bei zu niedriger JAZ lohnt sich der Anruf beim Heizungsbauer oder ein hydraulischer Abgleich. Wir machen die Elektrik dafür, aber die Optimierung selbst gehört zum Heizungspartner.
7. Außenbeleuchtung mit Bewegungsmelder, aber falsch
Klassiker: Gartenleuchte schaltet jeden vorbeifahrenden Lieferwagen ein, läuft dann fünf Minuten nach. Oder umgekehrt: Bewegungsmelder ist auf Empfindlichkeit-Maximum, leuchtet die ganze Nacht durch, weil jeder Igel auslöst. Ein vernünftig eingestellter Bewegungsmelder mit Nachlaufzeit 45 Sekunden und Reichweite an die Hofgröße angepasst spart 80 bis 150 kWh im Jahr.
Wer mehrere Außenleuchten hat: einmal ein KNX- oder Smart-Home-Modul setzen, dann lassen sich alle zusammen sinnvoll steuern. Das ist eine Stunde Arbeit und macht den Unterschied.
8. Der vergessene Lüfter im Bad
In einem Reihenhaus in Reinbek haben wir nach Mietertausch festgestellt: Der Badezimmerlüfter lief permanent, seit zwei Jahren. Nicht über den Lichtschalter wie geplant, sondern dauerhaft, weil irgendwer in der Verteilung eine Brücke gesetzt hatte. Dauerverbrauch 18 Watt, also rund 158 kWh pro Jahr. Macht etwa 53 Euro.
Solche Sachen findet man nur, wenn man im Verteiler einmal Strom misst und die Stromkreise abklopft. Das gehört für uns zu einem ordentlichen E-Check dazu.
9. Alter Kühl-Gefrierkombischrank im Keller
Der „Zweitkühlschrank" für Getränke und Tiefkühl-Pizza. Wir sehen oft Geräte aus den 90ern oder frühen 2000ern, die 200 bis 400 kWh pro Jahr fressen. Ein moderner A++-Kühlschrank macht das gleiche mit 100 bis 150 kWh. Ersparnis 60 bis 80 Euro pro Jahr, Anschaffung ab 500 Euro. Wer den Zweitkühlschrank wirklich braucht: tauschen, sonst abschalten.
10. Der Zählerschrank ohne Klemmenverteilung
Letzter Punkt, weniger ein Spartipp als ein Sicherheitshinweis mit Spar-Folge: In vielen Häusern aus den 60ern und 70ern liegt die Verkabelung im Verteiler chaotisch. Folge: einzelne Stromkreise sind dauerhaft warm, was Verluste erzeugt und schlimmstenfalls einen Schmorbrand. Eine Modernisierung des Zählerschranks ist nicht primär Energiesparen, aber sie räumt thermische Verluste und Sicherheitsrisiken auf einmal weg.
Ein typischer Fall aus Allermöhe: Zählerschrank von 1971, sechs alte Schraubsicherungen, kein FI. Wir haben modernisiert, danach gemessen: 30 Watt weniger Grundlast aus dem Schrank. Klingt wenig, sind aber 260 kWh pro Jahr.
Wie wir helfen
Beim Aufmaß für Wallbox, Smart-Meter oder Zählerschrank-Modernisierung schauen wir kostenlos mit. Wenn Sie ein offensichtliches Sparpotenzial haben, sagen wir Bescheid. Ohne Verkaufsdruck, denn ein neuer Heizstab-Schaltkreis ist keine 5.000-Euro-Sache.
Kontakt
Wer ein älteres Haus im Bezirk Bergedorf, Reinbek oder Wentorf hat und wissen will, wo unbemerkt Strom verbrannt wird: rufen Sie an. Ein kombinierter Aufmaß- und Sparcheck dauert eine Stunde und kostet im Bezirk nichts.
Telefon: 0176 / 811 767 96 Mail: Info@Ehlers-Elektrotechnik.de