PV-Überschuss klug nutzen: Wallbox, Wärmepumpe, Heizstab
Eine moderne PV-Anlage liefert an einem sonnigen Sommertag in Bergedorf locker 50 bis 60 Kilowattstunden. Verbrauch in einem Vier-Personen-Haushalt: vielleicht 8 bis 12 Kilowattstunden, davon ein Großteil am Morgen und Abend. Was passiert mit dem Rest? Hier die Optionen, ehrlich gerechnet, mit einem konkreten Beispiel für ein Reihenhaus in Lohbrügge.
Die zwei Grundoptionen: Einspeisen oder Selbstverbrauch
Strom, der gerade nicht im Haus gebraucht wird, fließt entweder ins öffentliche Netz (Einspeisung, vergütet mit aktuell rund 8 Cent pro kWh) oder wird sofort verbraucht. Selbstverbrauch ersetzt den Netzbezug für 38 Cent pro kWh. Differenz: 30 Cent pro kWh.
Daraus folgt eine einfache Regel: Jede Kilowattstunde, die selbst verbraucht wird, statt eingespeist zu werden, bringt 30 Cent mehr Geld.
Bei einer 10 kWp-Anlage mit 9.000 kWh Jahresertrag und einem typischen Selbstverbrauchsanteil ohne weitere Verbraucher von 25 Prozent: 2.250 kWh werden selbst verbraucht, 6.750 kWh werden eingespeist. Wer den Selbstverbrauch durch Zusatzverbraucher auf 50 Prozent steigert (also 2.250 kWh mehr selbst nutzen), verdient zusätzlich 675 Euro pro Jahr.
Genau hier setzen die drei großen Hebel an: Wallbox, Wärmepumpe, Heizstab.
Hebel 1: Wallbox mit Überschussladen
Wer ein E-Auto hat, sitzt auf dem größten Selbstverbraucher überhaupt. Ein modernes Mittelklasse-Elektroauto verbraucht rund 18 kWh pro 100 km. Bei 12.000 km Jahresfahrleistung sind das 2.160 kWh, oft sogar 2.500 bis 3.000 inklusive Ladeverluste.
Überschussladen heißt: die Wallbox lädt nur dann das Auto, wenn die PV-Anlage mehr produziert als das Haus gerade verbraucht. Wenn weniger Sonne, lädt sie weniger oder pausiert. Wenn mehr Sonne, lädt sie mit voller Leistung.
Was nötig ist:
- Wallbox mit Überschuss-Funktion (PV-Anbindung). Nicht jede Wallbox kann das. Bei der Bestellung gezielt darauf achten.
- Energiemanagement-System oder Datenkopplung zwischen Wechselrichter und Wallbox
- Ein Smart Meter, das Hausverbrauch misst (oft im Zählerschrank von Stromnetz Hamburg eingebaut)
Typische Wallbox-Modelle mit Überschussladen: go-eCharger, Wallbe, KEBA P30 mit PV-Modul, openWB, viele neuere Modelle von SMA, Fronius und Kostal. Aufpreis gegenüber einfacher Wallbox: 300 bis 600 Euro.
Was es bringt: Wer 80 Prozent seiner Ladevorgänge tagsüber zu Hause macht, kann praktisch alle 2.500 kWh aus PV decken. Ersparnis im Vergleich zu Netzladen: rund 750 Euro pro Jahr.
Hebel 2: Wärmepumpe SG-Ready
Wärmepumpen sind im Norden in den letzten Jahren zum Standard geworden. Stromverbrauch typisch zwischen 3.000 und 6.000 kWh pro Jahr für ein Einfamilienhaus, je nach Dämmstandard und Bestand.
SG-Ready ist ein Standard der Wärmepumpen-Hersteller, der vier Betriebszustände vorsieht:
- Sperre (Wärmepumpe aus)
- Normalbetrieb
- Verstärkter Betrieb (PV-Überschuss vorhanden, mehr Strom nutzen)
- Anlaufbefehl (max. Leistung)
Wenn die PV-Anlage einen Überschuss liefert, schaltet die Wärmepumpe in Stufe 3 oder 4 und produziert mehr Wärme als gerade gebraucht wird. Die Wärme wird im Pufferspeicher zwischengespeichert und am Abend genutzt.
Was nötig ist:
- Wärmepumpe mit SG-Ready-Anschluss (Standard bei allen Modellen ab 2020)
- Steuerleitung zwischen Wechselrichter / Energiemanagement und Wärmepumpe
- Pufferspeicher von mindestens 300 bis 500 Litern (in den meisten Wärmepumpen-Setups ohnehin vorhanden)
Was es bringt: typisch 20 bis 35 Prozent der Wärmepumpen-Energie kann aus PV-Überschuss kommen. Bei 5.000 kWh Wärmepumpen-Verbrauch sind das 1.000 bis 1.750 kWh PV-Selbstverbrauch zusätzlich. Ersparnis: 300 bis 500 Euro pro Jahr.
Wichtig: im Winter geht das schlecht. Genau dann, wenn die Wärmepumpe am meisten braucht, liefert die PV am wenigsten. Die Optimierung lohnt vor allem in der Übergangszeit (März bis Mai, September bis November).
Hebel 3: Heizstab im Warmwasserspeicher
Eine pragmatische und günstige Lösung, oft unterschätzt. Im Warmwasserspeicher wird ein elektrischer Heizstab eingebaut, der von einem PV-Steuergerät bei Überschuss eingeschaltet wird. Der Strom heizt direkt das Brauchwasser.
Vorteile:
- Günstig (Heizstab plus Steuergerät: 400 bis 800 Euro)
- Kein elektronischer Eingriff in komplexere Anlagen nötig
- Auch in Häusern ohne Wärmepumpe sinnvoll (Gasheizung mit getrenntem Warmwasserspeicher)
- Im Sommer kann fast das gesamte Warmwasser aus PV kommen
Nachteile:
- Wirkungsgrad 1:1, ein modernes Gas-Brennwertgerät ist energetisch effizienter
- Sinnvoll nur, wenn der Strom sonst eingespeist würde
- Im Winter praktisch wirkungslos
Was es bringt: rund 1.500 bis 2.500 kWh PV-Selbstverbrauch zusätzlich. Ersparnis (im Vergleich zu Gas-Warmwasser): 100 bis 200 Euro pro Jahr.
Klingt wenig im Vergleich zu Wallbox und Wärmepumpe, ist es auch. Aber die Investition ist klein, daher amortisiert sich der Heizstab schnell, oft schon nach 4 bis 6 Jahren.
Energiemanagement: das Gehirn der Anlage
Damit Wallbox, Wärmepumpe und Heizstab nicht gleichzeitig vollen Strom ziehen und das Haus überlasten, braucht es ein Energiemanagement-System (EMS). Das EMS kennt:
- Aktuelle PV-Produktion
- Aktueller Hausverbrauch
- Speicher-Ladestand (falls vorhanden)
- Priorität der Verbraucher
Mögliche Priorisierung in einem typischen Haushalt:
- Hausverbrauch (immer Vorrang)
- Speicher (wenn nicht voll)
- Wallbox (wenn Auto angeschlossen)
- Wärmepumpe (im Übergang)
- Heizstab (wenn alles andere zufrieden ist)
- Einspeisung (Rest)
Gute EMS bekommen Sie von SMA (Sunny Home Manager), Kostal (Smart Energy Meter), Fronius (Smart Meter und Solar.web), openWB (für die Bastler), oder als Komplettlösung von E3DC. Kosten 800 bis 2.500 Euro je nach Funktionsumfang.
Wir installieren EMS nach Stack-Auswahl. Wer schon einen Hybrid-Wechselrichter hat, kommt oft mit dem hauseigenen System aus.
Beispielrechnung: Reihenhaus in Lohbrügge
Konkrete Zahlen für ein Reihenhaus, Baujahr 1965, modernisiert 2018, Wärmepumpe seit 2021, E-Auto seit 2024:
| Komponente | kWh pro Jahr | Kosten ohne PV | Kosten mit PV-Optimierung |
|---|---|---|---|
| Haushaltsstrom | 3.500 | 1.330 € | 760 € |
| Wärmepumpe | 4.500 | 1.710 € | 1.225 € |
| E-Auto (12.000 km) | 2.500 | 950 € | 100 € |
| Warmwasser-Heizstab | 0 | 0 € | 0 € (genutzt nur überschüssig) |
| Summe Stromkosten | 10.500 | 3.990 € | 2.085 € |
| Einspeisevergütung Rest | 250 € (Gutschrift) | ||
| Effektive Stromkosten | 3.990 € | 1.835 € |
PV-Anlage 12 kWp, Speicher 10 kWh, Wallbox mit Überschussladen, Wärmepumpen-Kopplung, kein Heizstab (in diesem Setup nicht nötig, weil Wärmepumpe das Warmwasser macht).
Jährliche Ersparnis: rund 2.155 Euro. Bei Investitionskosten Anlage + Speicher + Kopplungen von rund 25.000 bis 30.000 Euro: Amortisation in 12 bis 14 Jahren.
Das ist mit Strompreis-Steigerung sogar konservativ gerechnet.
Steuerliche Logik
Seit 2023 sind kleine PV-Anlagen bis 30 kWp auf Einfamilienhäusern einkommens- und umsatzsteuerlich freigestellt. Heißt: kein Vorsteuerabzug, aber auch keine Steuer auf den selbst verbrauchten Strom. Das vereinfacht die Buchhaltung enorm.
Wallbox und Wärmepumpe haben eigene steuerliche Aspekte:
- Bei Eigenheimnutzung: Stromkosten privat, keine Absetzbarkeit
- Bei vermieteten Einheiten: anteilig absetzbar
- Bei gewerblicher Nutzung (Werkstatt im Haus, Homeoffice mit Sonderregel): teils absetzbar
Im Zweifel mit dem Steuerberater klären, vor allem bei gemischter Nutzung.
Was wir machen
- Einbau und Anschluss der Wallbox mit Überschuss-Funktion
- Verkabelung Wärmepumpe an Wechselrichter oder EMS, SG-Ready-Steuerung
- Einbau Heizstab im Warmwasserspeicher mit Steuergerät
- Auswahl und Programmierung des Energiemanagement-Systems
- Inbetriebnahme und Übergabe mit Schulung
Was die PV-Module und den Speicher angeht, kommen die typisch von einem PV-Fachbetrieb mit dem wir kooperieren. Die elektrische Integration der ganzen Kette: das ist unser Job.
Kontakt
Telefon: 0176 / 811 767 96 Mail: Info@Ehlers-Elektrotechnik.de Adresse: Billwerder Billdeich 601i, 21033 Hamburg
Wir bauen die elektrische Seite von PV-Optimierungen in Hamburg-Bergedorf, Lohbrügge, Wentorf, Reinbek, Geesthacht, Glinde und in den Vier- und Marschlanden. Wenn Sie schon eine PV-Anlage haben und das Maximum aus dem Überschuss holen wollen: Stromrechnung und PV-Erträge der letzten 12 Monate als Ausgangsbasis, dann können wir konkret rechnen.