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Photovoltaik 9 Min Lesezeit

Photovoltaik für Gewerbe in Hamburg: lohnt sich das?

PV-Anlagen für Hamburger Betriebe: Eigenverbrauchsoptimierung, Lastprofile, Steuersituation, EEG vs Eigenverbrauch, Förderung, Praxisbeispiel.

Photovoltaik für Gewerbe in Hamburg: lohnt sich das?

Hamburger Gewerbestrom liegt aktuell (Frühjahr 2026) zwischen 26 und 34 Cent pro Kilowattstunde netto. Ein Strompreis, der vor fünf Jahren als Skandalwert galt und heute der neue Normalfall ist. Wenn Sie einen Betrieb mit Werkstatt, Lager oder Produktion führen, ist Photovoltaik dadurch kein Hobby mehr, sondern eine Investitionsentscheidung mit klarer Rendite. Hier eine Sortierung für mittelständische Betriebe in und um Bergedorf.

Worum es bei Gewerbe-PV wirklich geht

Privater Betreiber: PV-Anlage erzeugt vormittags und mittags Strom, Bewohner ist auf der Arbeit, Strom geht für 8 Cent ins Netz. Mau.

Gewerbebetrieb: PV-Anlage erzeugt von 9 bis 17 Uhr Strom, Maschinen laufen genau in diesem Zeitfenster. Eigenverbrauchsquote oft bei 60 bis 85 Prozent, ohne dass man einen Speicher braucht. Das ist der Hebel. Eine PV-Anlage im Gewerbe rechnet sich nicht über die Einspeisevergütung, sondern über vermiedenen Strombezug.

Wer in seiner Werkstatt eine Kilowattstunde nicht aus dem Netz zieht, weil das eigene Dach sie liefert, spart 30 Cent. Wer eine Kilowattstunde einspeist, kassiert je nach Anlagengröße zwischen 6,2 und 8,1 Cent (Stand EEG 2024 fortgeschrieben). Faktor vier zwischen den beiden Optionen. Eigenverbrauch ist König.

Drei typische Größenklassen

Was wir bei Hamburger Betrieben sehen, lässt sich in drei Klassen sortieren.

10 bis 30 kWp, Handwerk und Kleinbetrieb. Tischler in Glinde, Friseur in Bergedorf-Süd, Arztpraxis in Lohbrügge mit eigenem Haus, Kfz-Werkstatt mit kleiner Halle. Investition meist zwischen 12.000 und 35.000 Euro netto. Amortisation, je nach Lastprofil, 6 bis 9 Jahre. Bei Bedarf mit kleinem Speicher (5 bis 15 kWh) für Außerbetriebsstunden.

30 bis 100 kWp, mittelständisches Gewerbe. Logistiker in den Vier- und Marschlanden mit Lagerhalle, Bäckerei mit Produktion, größere Kfz-Werkstatt, mittelständische Metallverarbeitung. Investition 35.000 bis 110.000 Euro netto. Amortisation oft 5 bis 8 Jahre, weil Lastprofil und PV-Profil deutlich besser zusammenpassen.

100 bis 750 kWp, größere Industrie. Produktionsbetriebe, große Lagerhallen, Logistikzentren. Hier sind PPA-Modelle, Pachtanlagen oder Eigenbetrieb mit Direktvermarktung möglich. Bei Anlagen über 100 kWp wird die EEG-Vergütung auch nur bis 50 Prozent der Einspeisung gezahlt, der Rest muss direktvermarktet werden.

Lastprofil: der entscheidende Punkt

Bevor wir ein Angebot machen, schauen wir uns das Lastprofil an. In den meisten Fällen liefert der Netzbetreiber (in Hamburg meist Stromnetz Hamburg) ein viertelstündliches Lastprofil über das vergangene Jahr. Wenn nicht, gibt es Schätzverfahren über Branchenprofile.

Drei Fragen entscheiden über die Wirtschaftlichkeit:

  1. Wann wird Strom verbraucht? Werkstatt 7 bis 17 Uhr ist Bestcase. Eisproduktion, die nachts kühlt, ist schwierig.
  2. Wie schwankt der Verbrauch? Konstant ist besser als sehr spitzig.
  3. Wie groß sind die Verbrauchsspitzen? Wenn eine Maschine 80 kW zieht und der Rest des Tages bei 5 kW dümpelt, deckelt das die sinnvolle Anlagengröße.

In einem Tischler-Betrieb in Bergedorf, den wir 2025 verkabelt haben, lag das Lastprofil zwischen 8 und 12 Uhr bei durchschnittlich 14 Kilowatt, mit Spitzen bis 22 Kilowatt. Eine 19,8-kWp-Anlage trifft das fast deckungsgleich. Eigenverbrauchsquote im ersten Betriebsjahr: 78 Prozent.

Steuersituation: Gewerbe ist nicht Privat

Bei Privatanlagen unter 30 kWp gilt seit 2023 die volle Steuerbefreiung (Umsatzsteuer Null, Einkommensteuer für Kleinanlagen befreit). Im Gewerbe sieht die Welt anders aus.

  • Vorsteuerabzug auf Material und Installation möglich. Bei einer 70-kWp-Anlage für 80.000 Euro netto sind das 15.200 Euro Vorsteuer, die zurückfließen.
  • Eigenverbrauch ist steuerlich neutral, weil er den betrieblichen Stromaufwand mindert.
  • Einspeisung wird mit Umsatzsteuer abgerechnet.
  • Abschreibung über 20 Jahre linear, Sonderabschreibungen nach IAB möglich (vorgezogen bis zu 50 Prozent der Investition).

Für den Einzelfall: Steuerberater. Was wir in der Praxis sehen, ist, dass die steuerliche Komponente die Rendite nach Steuern oft um 15 bis 25 Prozent verbessert.

EEG-Vergütung 2026

Aktuelle Sätze (Stand 1. Februar 2026, alle 6 Monate Degression um etwa 1 Prozent):

Anlagengröße Volleinspeisung Überschusseinspeisung
bis 10 kWp 12,87 Cent 8,11 Cent
10 bis 40 kWp 10,79 Cent 7,03 Cent
40 bis 100 kWp 8,84 Cent 5,74 Cent
über 100 kWp nur Direktvermarktung nur Direktvermarktung

Für Gewerbeanlagen unter 100 kWp ist Überschusseinspeisung in fast allen Fällen das Modell. Volleinspeisung lohnt sich nur, wenn der Eigenverbrauch praktisch null wäre (etwa Lagerhalle ohne Strombezug bei Tag).

BAFA und KfW: was es für Gewerbe gibt

Die direkte BAFA-Investitionsförderung für PV ist 2022 ausgelaufen. Was noch da ist:

  • KfW 270 (Erneuerbare Energien Standard). Tilgungsfreier Anlauf, Zinssatz aktuell zwischen 4,3 und 5,8 Prozent je nach Bonität. Für Gewerbe meist im Kombinationsmodell mit Hausbank.
  • IFB Hamburg (Investitions- und Förderbank). Programme für Hamburger Betriebe mit Standortbindung. Aktuelle Konditionen ändern sich häufig.
  • Sonderabschreibung nach § 7g EStG. Bis zu 50 Prozent der Investition als Vorab-Abschreibung. Steuerlicher Hebel, keine echte Förderung.
  • Energieberatung Mittelstand (BAFA). Wenn vor der PV-Investition eine geförderte Energieberatung steht, gibt es bis zu 1.700 Euro Zuschuss für den Berater. Sinnvoll bei größeren Anlagen.

Klassische Investitionszuschüsse wie früher gibt es im PV-Segment kaum noch, weil die Wirtschaftlichkeit ohne Förderung gegeben ist.

Praxisbeispiel: Schreinerei in Bergedorf

Ein Bergedorfer Schreinerei-Inhaber rief uns 2025 an, weil seine Stromrechnung auf 38.000 Euro netto pro Jahr gestiegen war. Sechs Mitarbeiter, eine Halle, klassische Lackiererei, Absauganlage, drei größere Maschinen. Lastprofil zeigte uns: 8 bis 17 Uhr konstant zwischen 18 und 28 Kilowatt, mittags Spitzen.

Wir planten zusammen mit einem regionalen Solateur eine 64,8-kWp-Anlage auf dem Hallendach (Süd-Ost-Ausrichtung, 12 Grad Neigung), ohne Speicher (Lastprofil deckt PV-Erzeugung gut ab), mit dynamischem Wechselrichter, Lastmanagement und einem zusätzlichen Verteilerabgang für eine spätere Wallbox.

Investition: 78.500 Euro netto. Vorsteuerabzug: 14.915 Euro. Tatsächliche Liquidität: 63.585 Euro plus laufende Vorsteuer-Verrechnung. Erwartete Stromertrag pro Jahr: rund 58.000 Kilowattstunden, davon 71 Prozent Eigenverbrauch (Berechnung anhand Lastprofil), Rest Einspeisung. Jährliche Einsparung netto: rund 14.200 Euro Strom plus 950 Euro Einspeisung. Amortisation nach Steuern: 5,7 Jahre.

Nach 20 Jahren Anlagenlaufzeit (Modulgarantie 25 Jahre, Wechselrichter-Tausch nach 15 Jahren einkalkuliert) bleibt ein Nettogewinn von rund 190.000 Euro stehen, in heutigen Preisen.

Was wir konkret machen

Für die Stromseite einer PV-Gewerbeanlage sind wir der richtige Partner: Zählerschrank ertüchtigen oder neu bauen, Anschluss-Stromkreise auf Anlagenseite, AC-Verkabelung zum Wechselrichter, Hauptschalter, Überspannungsschutz, Anmeldung beim Netzbetreiber, Inbetriebnahme.

Für die Modul- und Montagearbeit auf dem Dach arbeiten wir mit zwei bis drei festen Solateur-Partnern in der Region. Wir koordinieren den Gesamtablauf und sind für den Kunden der eine Ansprechpartner. Das ist wichtig, weil bei einer Gewerbeanlage gerne mal zwischen Solateur und Elektrofirma der Schwarze Peter hin und her geschoben wird.

Kontakt

Ehlers Elektrotechnik Billwerder Billdeich 601i, 21033 Hamburg Telefon: 0176 / 811 767 96 Mail: Info@Ehlers-Elektrotechnik.de

Wenn Sie wissen wollen, ob sich Photovoltaik für Ihren Betrieb rechnet: schicken Sie uns Ihre letzten 12 Monatsabrechnungen vom Stromversorger und sagen kurz, was Sie machen und wann Maschinen laufen. Wir machen daraus binnen einer Woche eine grobe Ertrags- und Wirtschaftlichkeitsschätzung.

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Aufmaß im Bezirk Bergedorf ist kostenlos. Wir sind ab 8 Uhr erreichbar.