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Schalter 6 Min Lesezeit

Taster oder klassischer Schalter: wann was passt

Wechselschaltung, Stromstoß, KNX-Taster: was technisch unterschiedlich ist, wann Taster sinnvoller sind und wie man fürs Smart Home vorbereitet.

Taster oder klassischer Schalter: wann was passt

„Soll der Schalter rasten oder soll er nur drücken?" Die Frage stellt sich bei jeder ernsthaften Elektroplanung im Neubau oder bei der Komplettsanierung. Sie klingt unwichtig, hat aber Folgen für Verkabelung, Schaltlogik, Erweiterbarkeit und Kosten. Hier, was Sie wissen sollten, bevor Sie sich entscheiden.

Der Funktionsunterschied

Klassischer Schalter (Wippschalter). Hat zwei Stellungen. Oben ist an, unten ist aus. Oder umgekehrt. Mechanisch rastet die Wippe, die Stellung verrät, ob Strom fließt. Bei einer Wechselschaltung (Licht im Flur von zwei Stellen ein- und ausschaltbar) liegt das im Schalter selbst, die Verdrahtung ist Standard seit Jahrzehnten.

Taster. Hat nur eine Position. Wird gedrückt, federt zurück. Sieht man der Stellung nicht an, ob das Licht an ist. Hinter dem Taster steckt eine Logik, die den Schaltzustand selbst hält: entweder ein Stromstoß-Relais im Sicherungsschrank, ein Aktor im KNX-System, oder ein Smart-Home-Modul in einer Schalterdose.

Wechselschaltung versus Stromstoß-Schaltung

Wechselschaltung. Klassisches Prinzip seit über 100 Jahren. Zwischen zwei Wechselschaltern wird ein Adernpaar (die „Korrespondierenden") gezogen. Das Licht lässt sich von beiden Stellen unabhängig schalten. Bei drei oder mehr Schaltstellen kommt zusätzlich ein Kreuzschalter dazwischen. Sehr robust, einfach, jeder Elektriker versteht es sofort.

Nachteil: für jede zusätzliche Schaltstelle braucht es mehr Adern, mehr Verlegeaufwand, alle Stellen müssen verkabelungstechnisch in einer Reihe hängen.

Stromstoß-Schaltung. Im Sicherungsschrank sitzt ein Stromstoß-Relais (auch Eltako genannt). An jeder Schaltstelle ein Taster, alle Taster sind parallel an einer Steuerleitung. Jeder Tastendruck wechselt den Zustand des Relais, das wiederum schaltet das Licht.

Vorteile: beliebig viele Schaltstellen lassen sich nachrüsten (zusätzlicher Taster, parallel angeschlossen, fertig). Verdrahtung ist im Flur und Treppenhaus viel sauberer.

Nachteile: bei Stromausfall fällt das Licht in einen definierten Zustand, je nach Relaistyp. Im Sicherungsschrank wird mehr Platz gebraucht. Eltako-Relais können nach 15 bis 20 Jahren Schaltzyklus ausfallen, dann ist ein Wechsel im Schrank fällig, kein Drama.

KNX-Taster. Hier ist der Taster nur noch ein Geber, der auf den KNX-Bus eine Nachricht schickt („Taste 1 wurde gedrückt"). Was passiert, entscheidet die Programmierung der zentralen Logik. Ein Taster kann also gleichzeitig Licht schalten, Rollladen fahren, Heizung umschalten, Szene auslösen. Mehrere Funktionen pro Taste möglich (kurz, lang, doppelt).

Beleuchtung mit mehreren Bedienstellen

Hier zeigt sich der Unterschied praktisch.

Zwei Schaltstellen, klassisches Reihenhaus in Lohbrügge. Flur-Licht vom Eingang und vom Wohnzimmer schaltbar. Wechselschaltung ist hier die richtige Wahl. Kabellage einfach, kein Mehraufwand, ein paar Euro Materialunterschied gegenüber Stromstoß.

Drei oder mehr Schaltstellen, Treppenhaus im Mehrfamilienhaus. Hier wird Wechselschaltung schnell unübersichtlich, weil die zusätzlichen Kreuzschalter zwischen jeder Etage liegen müssen. Stromstoß-Schaltung ist hier in fast allen Mietshäusern Standard, oft kombiniert mit einem Treppenhausautomaten, der das Licht nach einer eingestellten Zeit selbst wieder ausschaltet.

Neubau-Einfamilienhaus in Wentorf mit Smart-Home-Vorbereitung. Hier macht KNX Sinn. Taster überall, alle parallel zur Bus-Leitung. Was sie schalten, wird in der Software entschieden. Flexibel auch in 15 Jahren noch.

Treppenhaus-Logik im Detail

Im Mehrfamilienhaus ist der Treppenhausautomat Pflicht-Standard. Er sorgt dafür, dass das Licht nicht versehentlich anbleibt. Üblich sind 2 bis 5 Minuten Nachlaufzeit, einstellbar. Manche Geräte haben eine „Vorwarn-Funktion", bei der das Licht etwa eine Minute vor dem Abschalten kurz dimmt oder blinkt. Hilft, dass niemand auf der Treppe plötzlich im Dunkeln steht.

Wer ein Mehrfamilienhaus saniert oder neu baut, sollte zusätzlich überlegen: Bewegungs- oder Präsenzmelder statt Taster im Treppenhaus? Funktioniert sauber, ist energetisch sparsam, kostet aber etwas mehr in der Anschaffung. Dazu haben wir einen eigenen Magazinbeitrag.

Vorbereitung für späteres Smart Home

Wer heute noch klassisch installiert, aber sich offenhalten will, kann das vorbereiten. Die wichtigsten Punkte:

  • Tiefere Schalterdosen (60 statt 40 Millimeter). Smart-Home-Module brauchen Platz hinter der Wand.
  • Neutralleiter in jede Schalterdose ziehen. Klassische Wechselschaltung kommt ohne aus. Viele smarte Schalter und KNX-Module brauchen ihn aber zwingend.
  • Bus-Leitung mitziehen. Eine grüne KNX-Leitung neben der Stromleitung, in alle Schalterdosen. Aktuell ungenutzt, im Sicherungsschrank an einer Klemmstelle gesammelt. Später aktivierbar.
  • Leerrohre statt direkt verputzter Leitungen. So lassen sich später Leitungen nachziehen, ohne Wand aufzustemmen.

Mehrkosten dafür bei einem Einfamilienhaus liegen je nach Aufwand zwischen 600 und 1.800 Euro. Wer in fünf oder zehn Jahren auf Smart Home umsteigen will, spart sich damit später viele Tausend Euro Stemmarbeit.

Kosten pro Schaltstelle

Grobe Anhaltspunkte aus unserer Kalkulation für den Bezirk Bergedorf und das Umland:

  • Klassischer Wechselschalter eingebaut, einfache Wandverdrahtung: 60 bis 90 Euro
  • Kreuzschalter zusätzlich: ungefähr 80 bis 110 Euro
  • Stromstoß-Schaltung mit drei Tastern, inklusive Eltako-Relais im Schrank: 220 bis 320 Euro Gesamtkosten
  • KNX-Taster (einfach, ohne Display): ab 120 Euro für den Taster, plus Aktor im Schrank, plus Programmierung. Pro Schaltkreis insgesamt rund 350 bis 500 Euro.
  • KNX-Taster mit Display, Mehrfachbelegung, Temperatursensor: 250 bis 600 Euro pro Stück, je nach Hersteller (Gira, Jung, Berker, MDT)

Im Verhältnis zur Robustheit über 20 Jahre lohnt sich höhere Qualität fast immer. Wir setzen im Bestand häufig Jung oder Berker ein, im Neubau bei KNX gerne MDT, weil deren Aktoren ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis haben.

Was wir empfehlen

Bei der klassischen Installation im Bestand: Wechselschalter, wo es um zwei Schaltstellen geht. Stromstoß, wo mehr als zwei nötig sind oder wo es ums Treppenhaus geht.

Bei Neubau und Komplettsanierung: zumindest Taster mit Stromstoß-Logik, weil sie auch ohne KNX flexibler sind. Wer auch nur leise an Smart Home denkt, sollte mit KNX vorbereiten lassen. Die Mehrkosten sind im Bauablauf überschaubar, der Nutzen über 20 Jahre groß.

Bei Mietwohnungen und kleineren Sanierungen: klassischer Schalter ist meistens die richtige Wahl. Smart Home über Funk-Insellösungen lässt sich nachträglich ergänzen, dazu brauchen wir nicht in die Wand.

Kontakt

Ehlers Elektrotechnik, Billwerder Billdeich 601i, 21033 Hamburg. Telefon 0176 / 811 767 96, Mail Info@Ehlers-Elektrotechnik.de. Wir beraten zu Schaltungen, Tastern und KNX-Vorbereitung in Bergedorf, Lohbrügge, Wentorf, Reinbek, Geesthacht und Glinde.

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