Lastmanagement: wenn mehrere Autos gleichzeitig laden
Eine einzelne Wallbox in der Garage zieht 11 kW. Das verkraftet jeder normale Hausanschluss in Bergedorf locker. Bei zwei Wallboxen wird es eng, bei vier wird der Hausanschluss in den meisten Mehrfamilienhäusern überlastet. Genau hier setzt Lastmanagement an: das System sorgt dafür, dass die Summe aller gleichzeitig ladenden Wallboxen die verfügbare Leistung nicht überschreitet. Klingt simpel, ist in der Umsetzung aber ein paar Stunden Arbeit und einige Hundert Euro Material.
Was Lastmanagement konkret macht
Stellen Sie sich vor, Ihr Hausanschluss gibt 32 Ampere pro Phase her, also rund 22 kW. Davon zieht der Haushalt im Schnitt 4 kW (Beleuchtung, Kühlschrank, ein wenig Kleinkram). Bleiben 18 kW für Wallboxen. Bei zwei Wallboxen à 11 kW wären das 22 kW, also schon zu viel. Ohne Lastmanagement löst irgendwann die Hauptsicherung aus, und das ganze Haus ist dunkel.
Ein Lastmanagement-System misst durchgehend, was im Haus passiert, und verteilt den Rest dynamisch auf die Wallboxen. Lädt die zweite Wallbox nicht, bekommt die erste die vollen 11 kW. Sind beide aktiv, drosselt das System beide auf 8 kW. Geht jemand Wäsche waschen, runter auf 7 kW. Wäschetrockner aus, hoch auf 9 kW. Sekundengenau geregelt.
Statisch oder dynamisch?
Zwei Varianten gibt es, und der Unterschied ist nicht nur technisch, sondern auch im Komfort spürbar.
Statisches Lastmanagement: jede Wallbox bekommt fest zugewiesen, was sie maximal ziehen darf. Bei zwei Wallboxen also je 9 kW, unabhängig davon, ob die andere gerade lädt. Einfach umzusetzen, billig, aber: die Wallbox bekommt nie ihre volle Leistung, auch wenn das andere Auto schon längst voll ist.
Dynamisches Lastmanagement: das System guckt in Echtzeit, was übrig ist, und verteilt entsprechend. Die einzelne Wallbox bekommt fast immer mehr als beim statischen Modell, weil unrealistisch oft sowieso nur eine lädt. Komfortabler, aber rund 200 bis 500 Euro teurer in der Anschaffung.
| Kriterium | Statisch | Dynamisch |
|---|---|---|
| Hardware-Aufwand | gering | mittel (Sensor am Hausanschluss nötig) |
| Reaktion auf Haushaltsstrom | nein | ja |
| Komfort bei nur einer ladenden Wallbox | reduziert | volle Leistung |
| Mehrkosten | 0 bis 100 Euro | 250 bis 500 Euro |
Wir empfehlen für jeden Fall ab zwei Wallboxen dynamisches Lastmanagement. Der Aufpreis hat sich meistens schon nach dem ersten halben Jahr im Komfort bezahlt gemacht.
Anwendungsfälle aus dem Alltag
Doppelgarage Einfamilienhaus. Zwei E-Autos pro Haushalt sind in Wentorf und Reinbek inzwischen Standard. Bei einem 32-Ampere-Hausanschluss und ohne Wärmepumpe reicht das in der Regel für zwei parallel ladende Wallboxen mit dynamischem Lastmanagement. Wir bauen das mit zwei KEBA P30 c-series und einem Master-Slave-Setup ein. Kosten: rund 2.800 Euro inkl. Material und Einbau für die zweite Wallbox plus Lastmanagement-Erweiterung.
Mehrfamilienhaus Tiefgarage. Acht bis zwanzig Stellplätze, irgendwann werden alle elektrisch sein. Hier geht ohne Lastmanagement nichts. Wir empfehlen den Aufbau in Etappen: zuerst die Steigleitung und ein zentrales Lastmanagement-System, dann werden die Wallboxen nach und nach an die Master-Steuerung gehängt. Beispiel aus Lohbrügge: zwölf Stellplätze, KEBA-Lastmanagement, Hausanschluss 80 Ampere pro Phase. Erlaubt acht parallele Wallboxen mit voller Leistung oder zwölf mit reduzierter.
Gewerbliche Nutzung. Pflegedienst aus Bergedorf-Süd mit sechs E-Autos auf dem Hof. Hier läuft das anders, weil die Fahrzeuge meistens nachts oder mittags gleichzeitig dran hängen. Wir haben ein ABB-Lastmanagement mit dynamischer Steuerung gebaut, plus Anbindung an die hauseigene PV-Anlage. So lädt das System tagsüber primär aus Sonne, nachts aus dem Netz mit reduzierter Leistung.
Hersteller-Lösungen im Überblick
| Hersteller | Lastmanagement-Lösung | Bis wie viele Wallboxen |
|---|---|---|
| KEBA | Master-Slave über LAN | bis zu 200 (x-series) |
| Mennekes | ChargePilot | bis zu 100 |
| ABB | Terra AC mit OCPP-Backend | praktisch unbegrenzt |
| go-eCharger | Cloud-basiert oder lokal | bis zu 5 lokal, mehr in der Cloud |
| Heidelberg | nicht möglich | reine Standalone-Wallbox |
Heißt: wer von Anfang an weiß, dass Lastmanagement kommt, sollte Heidelberg auslassen, so robust sie sonst auch ist. Bei zwei Wallboxen im Einfamilienhaus reichen go-eCharger oder KEBA. Bei Mehrfamilienhäusern und Gewerbe sind KEBA x-series, Mennekes ChargePilot oder ABB die übliche Wahl.
Was es kostet, konkret
Beispielrechnungen aus unseren letzten Projekten:
- Zwei Wallboxen Einfamilienhaus mit dynamischem Management: rund 3.800 bis 4.500 Euro Gesamtpaket inkl. Hardware und Einbau (KEBA-Setup)
- Vier Wallboxen Mehrfamilienhaus mit Master-Slave: ca. 8.000 bis 11.000 Euro, abhängig von der Leitungsführung in der Tiefgarage
- Acht plus Wallboxen mit zentralem Lastmanagement und Lastprofil-Optimierung: ab 18.000 Euro aufwärts, im professionellen Bereich
Was viele unterschätzen: bei großen Anlagen sind weniger die Wallboxen das Geld, sondern die Steigleitungen, der Verteilerumbau und gegebenenfalls eine Hausanschluss-Erweiterung beim Netzbetreiber. Letztere kann zwischen 3.000 und 15.000 Euro kosten und Wochen bis Monate dauern.
Häufiger Fehler: zu spät an Lastmanagement gedacht
Wir kommen regelmäßig in Häuser, in denen vor zwei Jahren die erste Wallbox ohne System eingebaut wurde. Jetzt will der Nachbar im Doppelhaus auch eine, und plötzlich passt nichts mehr zusammen. Was dann zu tun ist: alte Wallbox tauschen oder mit Master-Slave-Adapter nachrüsten (geht bei einigen Modellen), neuen Sensor setzen, Steigleitung prüfen. Mehrkosten gegenüber „von Anfang an richtig geplant" liegen schnell bei 1.500 Euro pro Wallbox.
Wenn klar ist, dass irgendwann mehr als eine Wallbox kommt, sollte das im Aufmaß-Gespräch genannt werden. Dann legen wir die Infrastruktur passend aus, auch wenn der zweite Anschluss erst in drei Jahren gebraucht wird.
Kontakt
Telefon: 0176 / 811 767 96 Mail: Info@Ehlers-Elektrotechnik.de Adresse: Billwerder Billdeich 601i, 21033 Hamburg
Wir planen Lastmanagement-Lösungen vom Einfamilienhaus bis zur Tiefgarage. Im Bezirk Bergedorf, Reinbek, Wentorf, Geesthacht und Glinde. Beratung vor Ort dauert etwa eine Stunde und ist im Servicegebiet kostenlos.