Wallbox und Photovoltaik koppeln: Sonne ins Auto
Eine PV-Anlage produziert im Sommer mehr Strom, als ein normales Haus verbraucht. Was nicht im Haus oder Akku landet, geht für magere 8 Cent Einspeisevergütung ins Netz. Wer in dieser Zeit sein E-Auto lädt, bekommt im Idealfall den eigenen Solarstrom für 0 Cent in die Batterie geschoben. Theoretisch. Praktisch hängt es daran, wie sauber Wallbox, Wechselrichter und Energiemanager miteinander sprechen.
Hier der ehrliche Blick darauf, was funktioniert und was nicht.
Wie PV-Überschuss-Laden technisch läuft
Das System braucht drei Komponenten, die sich verstehen:
- Energiemanagement-Sensor am Hausanschluss, der misst wie viel Strom gerade ins Netz fließt
- Steuereinheit, die diese Information an die Wallbox weiterleitet (meistens der Wechselrichter oder ein separater Smart-Meter)
- Wallbox, die ihre Ladeleistung in Echtzeit anpassen kann
Die Wallbox bekommt also gemeldet: „Du darfst jetzt 6 kW ziehen, das sind unsere aktuellen Überschüsse." Sobald eine Wolke kommt oder die Waschmaschine angeht, regelt die Wallbox runter. Wird wieder mehr Sonne da, geht sie hoch.
Drei Modi, die in der Praxis Sinn machen
PV-only: das Auto lädt nur, wenn genug Sonne da ist. Bei einer 10-kWp-Anlage heißt das praktisch: laden in der Mittagszeit bei klarem Wetter. An grauen Tagen tut sich nichts. Maximaler Eigenverbrauch, minimaler Komfort.
PV mit Mindestleistung: die Wallbox lädt immer mit mindestens 1,4 kW (einphasig, gesetzliches Minimum für AC-Laden), sobald 700 Watt Überschuss da sind. Reicht die Sonne nicht für die volle Ladeleistung, zieht sie den Rest aus dem Netz. Mehr Komfort, weniger Optimierung.
PV plus Netz: das Auto lädt mit voller Leistung, der PV-Anteil wird angerechnet. Eigentlich kein echtes Überschuss-Laden, aber bei vielen Herstellern als Modus auswählbar.
Welcher Modus richtig ist, hängt davon ab, wie viel Sie fahren. Wer zwei Mal pro Woche 20 km macht, kann auf PV-only umschalten. Wer täglich pendelt, braucht den Mischbetrieb.
Welche Wallboxen können das wirklich?
| Wallbox | PV-Überschuss-Laden | Anmerkung |
|---|---|---|
| go-eCharger HOME+ | ja, direkt | beste App-Integration, läuft auch mit Drittanbieter-Wechselrichtern |
| KEBA x-series | ja | über KEBA-eigenes Energiemanagement, Aufpreis 200 bis 300 Euro |
| Mennekes Amtron Premium | ja | über Mennekes ChargePilot oder Drittanbieter |
| Heidelberg Energy Control | nein | reine Lade-Wallbox ohne Kommunikation |
| Wallbe Pro | teilweise | nur in Kombination mit bestimmten Wechselrichtern |
| Tesla Wall Connector | nur mit Tesla Powerwall | außerhalb des Tesla-Ökosystems sehr eingeschränkt |
Heißt: wer die günstige Heidelberg in der Garage hat und PV nachrüstet, wird ohne Wallbox-Tausch keinen Solarstrom direkt ins Auto bringen. Außer über Umwege wie SMA Sunny Home Manager und einen separaten Sensor, aber das ist Bastelei.
Welche Wechselrichter mitspielen
Die Mehrheit der modernen Wechselrichter kann mit Wallboxen kommunizieren, aber jeder spricht ein eigenes Dialekt:
- SMA: Sunny Home Manager 2.0 ist Standard, funktioniert mit vielen Wallboxen
- Fronius: hat eigene Wattpilot-Wallbox (baugleich mit go-eCharger), klappt sauber
- Kostal: Plenticore mit KSEM-Energiemanager, etwas träge in der Regelung
- Huawei: SUN2000 mit Smart Power Sensor, gute Integration nur mit Huawei-eigener Wallbox
- GoodWe: braucht meist Zusatz-Modul, ältere Generationen schwierig
Vor dem Wallbox-Kauf immer klären: welcher Wechselrichter steht im Keller, und welche Wallboxen kann der über sein Energiemanagement ansprechen.
Was es kostet
Eine reine Wallbox mit PV-Tauglichkeit kostet zwischen 800 und 1.500 Euro. Dazu kommt:
- Smart-Meter am Hausanschluss, falls nicht vorhanden: 200 bis 400 Euro
- Kommunikationskabel oder Funkanbindung: 100 bis 250 Euro
- Konfiguration durch uns: meist eine Stunde, also rund 90 Euro
Wenn PV-Anlage und Wallbox gleichzeitig neu gebaut werden, sparen Sie sich einen Termin und ein paar Hundert Euro für Kabelwege.
Wann sich das rechnet, ehrlich gerechnet
Beispiel: PV-Anlage 10 kWp, jährlicher Überschuss rund 5.000 kWh, davon lassen sich realistisch 1.500 bis 2.500 kWh ins Auto laden (Rest geht ins Netz, weil das Auto eben nicht jeden Tag in der Mittagspause in der Garage steht). Bei einem Strompreis von 35 Cent und einer Einspeisevergütung von 8 Cent sparen Sie pro kWh PV-Überschuss-Laden gegenüber Netzbezug rund 27 Cent.
2.000 kWh mal 27 Cent = 540 Euro Ersparnis pro Jahr. Bei rund 1.500 Euro Mehrkosten für PV-fähige Wallbox plus Smart-Meter amortisiert sich das in knapp drei Jahren. Ohne Förderung, ohne geschönte Annahmen.
Bei kleineren PV-Anlagen unter 6 kWp wird der Überschuss schnell zu klein, dann lohnt sich der Aufwand kaum. Bei Anlagen ab 12 kWp und einem Vielfahrer kann es auch deutlich schneller gehen.
Praxisfall aus Wentorf
Familie mit 11-kWp-Anlage, Tesla Model Y, go-eCharger HOMEfix. Wir haben den Smart-Meter am Hausanschluss gesetzt, go-eCharger über WLAN angebunden, PV-Modus mit Mindestleistung 1,4 kW eingestellt. Erstes Sommerhalbjahr: 2.180 kWh Solarstrom ins Auto, das entspricht ungefähr 11.000 km gefahrene Strecke aus eigener Sonne. Mehr als die Hälfte des jährlichen Bedarfs.
Ein ehrlicher Hinweis
PV-Überschuss-Laden ist toll, aber es ersetzt nicht das Laden bei schlechtem Wetter. Wer im November oder Dezember nicht mit Netzstrom laden will, wird ein Problem haben. Realistisch decken Sie mit einer normalen PV-Anlage zwischen 30 und 60 Prozent Ihres Jahresbedarfs aus Sonne. Den Rest kauft man dazu.
Kontakt
Telefon: 0176 / 811 767 96 Mail: Info@Ehlers-Elektrotechnik.de Adresse: Billwerder Billdeich 601i, 21033 Hamburg
Wir kombinieren Wallbox und PV in einem Termin, im Bezirk Bergedorf und in Reinbek, Wentorf, Geesthacht und Glinde. Wenn Sie schon eine PV-Anlage haben und nur die Wallbox dazu brauchen, schauen wir vorher, ob Ihr Wechselrichter mitspielt.