Dimmer: warum nicht jede LED gedimmt werden kann
„Können Sie mir bitte mal das Licht im Wohnzimmer dimmbar machen, ist doch nur ein Schalter tauschen?" Diese Frage hören wir in Bergedorf, Lohbrügge und Wentorf jede Woche. Die Antwort ist leider selten so einfach. Hier was Sie über Dimmer wirklich wissen sollten.
Warum das Thema komplizierter ist als früher
Mit Glühbirnen war Dimmen einfach. Ein Drehknopf, dahinter eine simple Phasenanschnitt-Schaltung, fertig. Die Birne wurde dunkler, weil sie weniger Strom bekam. Bei LEDs funktioniert das nicht mehr. Eine LED ist eine Halbleiter-Bauteil mit eigener Elektronik im Sockel (dem Treiber). Diese Elektronik reagiert auf Dimmer-Signale, oder eben nicht. Und wenn das Signal nicht zum Treiber passt, kommt es zu Flackern, Brummen, oder die Lampe geht gar nicht erst an.
Die fünf relevanten Dimmer-Typen
Phasenanschnitt (R, L). Klassisch für Glühbirnen und Niedervolt-Halogen mit konventionellem Trafo. Schneidet den Anfang der Sinuswelle ab. Funktioniert bei einigen wenigen dimmbaren LEDs, aber meistens schlecht. Wenn ein alter Dimmer aus den 90ern in der Wand sitzt, ist das fast immer Phasenanschnitt.
Phasenabschnitt (R, C). Schneidet das Ende der Sinuswelle ab. Der Standard für die meisten heutigen dimmbaren LEDs und elektronische Trafos. Wer einen Dimmer im Bestand neu kauft, sollte heute Phasenabschnitt nehmen, oder einen Universal-Dimmer, der beides kann und sich automatisch anpasst.
1-10 V. Die LED-Treiber bekommen ein zusätzliches Steuersignal über eine zweite Leitung. Eine kleine Steuerspannung zwischen 1 und 10 Volt regelt die Helligkeit. Findet sich in Büros, Praxen, Werkstätten. Setzt voraus, dass die Treiber 1-10-V-fähig sind und eine separate Steuerleitung gezogen ist.
DALI. Digitales Bus-System speziell für Beleuchtung. Bis zu 64 Leuchten an einem Bus, einzeln adressierbar, Szenen programmierbar. Häufig in Bürogebäuden, Schulen, Hotels. Lohnt sich im Eigenheim selten, außer bei sehr vielen Leuchten in einer komplexen Raumstruktur.
KNX. Gebäudebus, der nicht nur Licht, sondern auch Heizung, Rollladen, Sensorik mitsteuert. Über KNX-Aktoren werden Dimmer angesprochen. Das ist die Königsklasse, lohnt sich aber nur bei Neubau oder Komplettsanierung. Wer dazu mehr wissen will, findet im Magazin den Artikel zu Smart Home versus klassischer Elektrik.
Häufige Probleme in der Praxis
Flackern beim Dimmen. Meistens passt der Dimmer nicht zur LED. Lösung: Dimmer-Typ prüfen, gegebenenfalls Universal-Dimmer einbauen, oder andere LED testen. Bei manchen Kombinationen flackert es nur in einem bestimmten Helligkeits-Bereich. Dann hilft auch, die Mindestlast über eine Vorlastschaltung zu erhöhen.
Brummen vom Dimmer oder der Lampe. Hörbar besonders nachts. Häufige Ursache: Phasenanschnitt-Dimmer mit elektronischen Treibern. Lösung: Phasenabschnitt-Dimmer einbauen. Wenn die Lampe selbst brummt, ist der Treiber zu billig, andere Marke nehmen.
Mindestlast wird nicht erreicht. Viele Dimmer brauchen mindestens 20 oder 40 Watt Last, damit sie sauber funktionieren. Wer nur zwei LED-Spots mit je 5 Watt dimmen will, kommt auf 10 Watt und liegt drunter. Folge: Flackern, Lampen gehen nicht aus oder bleiben minimal erleuchtet. Lösung: Dimmer mit niedriger Mindestlast (es gibt welche ab 3 Watt) oder eine zusätzliche Lampe in den Kreis nehmen.
Lampe geht beim Dimmen aus, statt dunkler zu werden. Klassisch bei Phasenanschnitt-Dimmer mit moderner LED. Die LED interpretiert das verstümmelte Signal als „aus". Lösung wie oben: Dimmer-Typ wechseln.
Manche Lampen im Raum dimmen, andere nicht. Klingt absurd, kommt vor. Wenn unterschiedliche LED-Modelle in einer Schaltung hängen, reagieren sie unterschiedlich. Lösung: gleiche Lampen im selben Kreis verwenden, oder Treiber separat dimensionieren.
Praxis-Beispiele aus dem Bezirk
Reihenhaus in Lohbrügge, Wohnzimmer mit 8 Einbaustrahlern. Kunde hatte günstige LED-Spots gekauft, ein 30-Euro-Dimmer aus dem Baumarkt. Ergebnis: Flackern unterhalb 40 Prozent Helligkeit, leichtes Brummen. Wir haben den Dimmer durch einen Phasenabschnitt-Modul-Dimmer ersetzt und vier der acht Spots gegen gleichartige Markenware getauscht. Seit zwei Jahren keine Reklamation.
Altbau in Bergedorf-Kern, Esszimmer-Pendelleuchte mit dimmbarer Lampe. Brummen bei jeder Dimmstellung. Ursache war ein 1970er-Phasenanschnitt-Dimmer in der Wand. Tausch gegen Universal-Dimmer hat das Brummen vollständig entfernt. Aufwand: 25 Minuten, Material rund 50 Euro.
Neubau in Wentorf, Wohnbereich offen über 45 Quadratmeter, 14 Spots in der Decke. Kunde wollte vier Szenen pro Knopfdruck. Hier haben wir einen DALI-Treiber-Stack im Sicherungsschrank gebaut, vier Taster im Raum gesetzt, Szenen programmiert. Mehraufwand gegenüber klassischer Verdrahtung rund 1.400 Euro, aber das funktioniert dauerhaft sauber und lässt sich später auch erweitern.
Was kostet eine Dimmerschaltung?
Grobe Anhaltspunkte, wenn wir das im Bestand nachrüsten:
- Klassischer Dimmer im Tausch gegen einen vorhandenen Schalter, dimmbare LED bereits installiert: 80 bis 130 Euro inklusive Material und Arbeit
- Universal-Dimmer (Phasenanschnitt + Phasenabschnitt) mit Drehknopf: 120 bis 180 Euro
- Universal-Dimmer mit Tasterbedienung und Memory-Funktion: 180 bis 260 Euro
- 1-10-V-System für eine Leuchtgruppe (mit zusätzlicher Steuerleitung): ab 350 Euro pro Kreis, je nach Aufwand der Leitungsführung
- DALI-Lösung für ein Wohnzimmer mit 6 bis 12 Leuchten, inklusive Programmierung: 800 bis 1.500 Euro
Die genauen Zahlen hängen davon ab, was vor Ort vorgefunden wird. Bei einem Aufmaß-Termin im Bezirk Bergedorf nennen wir verbindliche Preise.
Was wir empfehlen
Wer im Bestand einfach das Licht im Wohnzimmer dimmen will: Universal-Dimmer mit Tasterbedienung und dimmbare Marken-LED. Robust, funktioniert mit fast allem, kein Hexenwerk.
Wer neu baut oder sehr stark saniert: zumindest eine 1-10-V- oder DALI-Vorbereitung mitziehen lassen. Die Steuerleitung kostet wenig, wenn die Wand sowieso offen ist. Später nachrüsten ist deutlich teurer.
Wer Szenen, Sonnenstand-abhängige Steuerung oder Verknüpfung mit Rollläden will: das ist KNX-Gebiet. Lohnt sich nur als Gesamtkonzept, nicht als Einzelmaßnahme.
Kontakt
Ehlers Elektrotechnik, Billwerder Billdeich 601i, 21033 Hamburg. Telefon 0176 / 811 767 96, Mail Info@Ehlers-Elektrotechnik.de. Wir arbeiten in Bergedorf, Lohbrügge, Wentorf, Reinbek, Geesthacht und Glinde.