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Blitzschutz fürs Haus in Hamburg: wann sinnvoll, was kostet es

Blitzschutz für Hamburger Häuser: Pflicht oder Kür, äußerer und innerer Schutz, Überspannungsableiter Typ 1/2/3, Kosten, Kombination mit PV.

Blitzschutz fürs Haus in Hamburg: wann sinnvoll, was kostet es

Hamburg hatte 2024 nach Daten des Blitz-Informationsdienstes BLIDS rund 19.000 registrierte Erdblitze im Stadtgebiet und Umland. Das klingt viel, ist im Bundesvergleich aber Mittelfeld. Die typische Hamburger Sommer-Gewitterlage mit feuchter Nordseeluft, die auf warme Landmasse trifft, sorgt für intensive Einzelgewitter, vor allem zwischen Mai und August. Für Hauseigentümer in Bergedorf, Lohbrügge und in den Vier- und Marschlanden stellt sich die Frage: braucht mein Haus einen Blitzschutz oder ist das übertrieben?

Pflicht oder freiwillig

Klar gesagt: für ein normales Einfamilienhaus in Hamburg gibt es keine Blitzschutz-Pflicht. Die Hamburgische Bauordnung verlangt Blitzschutz nur bei Sonderbauten und bei Gebäuden besonderer Höhe oder Lage. Pflicht wird Blitzschutz in folgenden Fällen:

  • Gebäude mit mehr als 22 Metern Höhe über Gelände
  • Versammlungsstätten, Verkaufsstätten ab bestimmter Größe
  • Krankenhäuser, Schulen, Kindertagesstätten
  • Industriebauten mit erhöhter Brandgefahr (Lacklager, bestimmte Produktionen)
  • Gebäude in besonders blitzgefährdeter Lage (freistehend auf einer Anhöhe etwa)
  • Gebäude mit kulturhistorischer Bedeutung (Denkmale)

Für das klassische Reihenhaus in Bergedorf-Sander Damm oder das Einfamilienhaus in Lohbrügge gilt: keine Pflicht. Aber: die Versicherung kann es verlangen. Manche Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen schreiben bei Häusern mit Photovoltaikanlage oder bei großen Einfamilienhäusern einen äußeren Blitzschutz vor, sonst wird der Schaden im Versicherungsfall nicht voll ersetzt. Lohnt sich, bei Vertragsabschluss oder bei PV-Installation die Police nachzulesen.

Äußerer und innerer Blitzschutz: zwei verschiedene Welten

Blitzschutz wird in zwei Bereiche aufgeteilt, die unabhängig voneinander funktionieren.

Äußerer Blitzschutz. Die klassische „Blitzableiter"-Anlage. Fangstangen auf dem Dach, Ableitungen an der Fassade, Erdung im Boden. Wenn der Blitz einschlägt, wird der Strom kontrolliert in die Erde geleitet, ohne dass er sich durch Mauerwerk, Holz oder Elektrik den Weg sucht. Pflicht ist das nur in den oben genannten Fällen. Bei einem klassischen Einfamilienhaus in Bergedorf oder Reinbek ist äußerer Blitzschutz ein Sonderaufwand: 3.500 bis 7.500 Euro für Neubau, bei Nachrüstung an Bestand schnell 6.000 bis 12.000 Euro je nach Dachform und Erdungssituation.

Innerer Blitzschutz. Schutz gegen Überspannungen, die durch Blitzeinschläge ins Netz oder in Telekommunikationsleitungen kommen. Das ist der Schutz, den fast jeder Hausbesitzer haben sollte, weil er bezahlbar ist und einen großen Effekt hat. Hier kommen die Überspannungsableiter Typ 1, 2 und 3 ins Spiel.

Überspannungsableiter Typ 1, 2, 3: wer ist wer

Das Konzept dahinter heißt „abgestufter Überspannungsschutz". Drei Schutzebenen, die zusammenarbeiten.

Typ 1: Blitzstromableiter. Sitzt direkt am Hauseingang, im Zählerschrank oder Hauptverteiler. Wirkt gegen direkte oder nahe Blitzeinschläge. Notwendig nur, wenn ein äußerer Blitzschutz vorhanden ist oder bei besonders exponierter Lage. Material 250 bis 600 Euro, Einbau 150 bis 350 Euro. Pflicht in Häusern mit äußerem Blitzschutz, gefordert in Neubauten ab 2024 in DIN VDE 0100-443.

Typ 2: Überspannungsableiter. Sitzt in der Unterverteilung. Wirkt gegen Überspannungen, die über das Netz reinkommen (Blitzeinschlag in der Nachbarschaft, Schaltvorgänge im Netz). Pflicht in allen Neubauten und bei größeren Sanierungen seit Oktober 2016 (DIN VDE 0100-443 und 0100-534). Material 80 bis 220 Euro pro Stromkreis-Hauptsicherung, Einbau in vorhandener Verteilung 200 bis 400 Euro.

Typ 3: Feinschutz. Sitzt direkt an empfindlichen Geräten oder Steckdosenleisten. Wirkt gegen kleine Restspannungen, die durch Typ 1 und 2 hindurchgehen. Klassisch als Steckdosenleiste mit Überspannungsschutz für Computer, TV-Anlage, Telekommunikationsgeräte. Material 25 bis 80 Euro pro Steckerleiste.

Das Zusammenspiel ist wichtig. Typ 3 alleine bringt wenig, weil er für die großen Ströme nicht gemacht ist. Typ 2 alleine in einem normalen Hamburger Reihenhaus reicht in 95 Prozent der Fälle.

Risikoanalyse: lohnt sich Blitzschutz für mein Haus?

Eine sinnvolle Einschätzung berücksichtigt:

  1. Lage des Hauses (freistehend auf erhöhtem Gelände vs. eingebaut in Reihenhauszeile)
  2. Höhe und Form (hohes Spitzdach zieht eher als Flachdach im Pulk)
  3. Wertvolle Elektronik im Haus (Smart Home, KNX, Server, hochwertige Audio/Video)
  4. Vorhandene PV-Anlage (DC-seitige Überspannungen sind ein Thema)
  5. Telekommunikationsanschluss (Glasfaser ist überspannungstechnisch entspannter als Kupfer-DSL)
  6. Versicherungsanforderungen

In den Vier- und Marschlanden, wo Häuser frei stehen und das Gelände flach ist, schlägt der Blitz statistisch häufiger ein. In dichten Wohngebieten von Bergedorf oder Lohbrügge geht der Blitz meistens in höhere Gebäude oder Bäume.

Für die typische Konstellation „Einfamilienhaus, dichtes Wohngebiet, PV-Anlage 8 kWp, KNX, Smart-TV" empfehlen wir: Typ 2 im Hauptverteiler, Typ 2 PV-spezifisch im Wechselrichter-Bereich, Typ 3 an wertvollen Geräten. Kosten gesamt zwischen 600 und 1.400 Euro. Äußeren Blitzschutz nur, wenn die Versicherung darauf besteht oder bei exponierter Lage.

Wartungsintervalle

Blitzschutzanlagen werden wartungsärmer dargestellt, als sie es sind. Die DIN EN 62305-3 empfiehlt:

Anlagentyp Wartung
Äußerer Blitzschutz, Wohngebäude alle 4 Jahre Sichtprüfung
Äußerer Blitzschutz, kritische Bauten alle 2 Jahre Sichtprüfung, alle 4 Jahre Messung
Erdung (Erderwiderstand) alle 4 Jahre
Überspannungsableiter Typ 1 und 2 jährliche Sichtprüfung (Statusanzeige), Austausch nach Ansprechen
Typ 3, Steckerleisten bei Auffälligkeit

In der Praxis machen die wenigsten Hausbesitzer ihre Blitzschutzwartung. Das fällt erst bei einem Schadensfall auf, wenn die Versicherung den Wartungsnachweis fordert. Wer keinen hat, riskiert Leistungskürzung.

Kombination mit Photovoltaik

PV-Anlagen verändern die Risikolage. Auf dem Dach sind plötzlich metallische Strukturen (Modulrahmen, Schienen), die Blitze anziehen können. Empfohlen wird:

  • Trennungsabstand zur PV-Anlage einhalten (falls äußerer Blitzschutz vorhanden), sonst Anbindung an Potenzialausgleich
  • DC-seitiger Überspannungsableiter Typ 2 zwischen Module und Wechselrichter
  • AC-seitiger Überspannungsableiter Typ 2 zwischen Wechselrichter und Hausnetz
  • Potenzialausgleich der Modulrahmen, ordentlich erdkupferverbunden

Bei einer PV-Anlage ab 10 kWp empfehlen wir grundsätzlich beide Überspannungsableiter (DC und AC). Kosten für die PV-Schutzkomponenten zusätzlich 350 bis 700 Euro. Wer das spart, riskiert beim ersten Blitzeinschlag in der Nachbarschaft einen neuen Wechselrichter für 1.800 bis 4.500 Euro.

Kostenbeispiele für ein Einfamilienhaus

Was wir typisch in Bergedorf und im Umland kalkulieren:

Variante Kosten
Typ 2 im Hauptverteiler nachrüsten 350 bis 550 Euro
Typ 2 für PV-Anlage AC und DC 550 bis 950 Euro
Typ 3 Feinschutz für 3 Räume 180 bis 350 Euro
Komplettpaket innerer Blitzschutz EFH 900 bis 1.800 Euro
Äußerer Blitzschutz Neubau EFH 3.500 bis 7.500 Euro
Äußerer Blitzschutz Nachrüstung EFH 6.000 bis 12.000 Euro
Wartung äußerer Blitzschutz alle 4 Jahre 280 bis 450 Euro

Was wir konkret machen

Innerer Blitzschutz mit Typ-2-Modulen im Hauptverteiler ist Standard bei jedem Zählerschrank-Tausch und bei jeder größeren Renovierung. Bei PV-Installationen integrieren wir die DC-Schutzkomponenten als Teil des Anlagenanschlusses. Typ-3-Steckdosenleisten bauen wir auf Wunsch ein, sind aber oft einfach im Elektrofachhandel zu kaufen.

Äußeren Blitzschutz übernehmen wir nicht selbst, weil das eine eigene Disziplin mit speziellen Werkzeugen und Erfahrung im Dachhandwerk ist. Hier arbeiten wir mit zwei Hamburger Spezialfirmen zusammen und koordinieren die Schnittstelle.

Kontakt

Ehlers Elektrotechnik Billwerder Billdeich 601i, 21033 Hamburg Telefon: 0176 / 811 767 96 Mail: Info@Ehlers-Elektrotechnik.de

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Haus ausreichend gegen Überspannungen geschützt ist: kurzer Anruf, am besten mit Baujahr, Dachform und Info, ob eine PV-Anlage drauf ist oder geplant wird. Wir geben eine Einschätzung, was sinnvoll wäre und was übertrieben.

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