Brandschutz Elektrik: was Hauseigentümer wirklich wissen müssen
Wenn man die deutschen Versicherer fragt, was die häufigste Brandursache in Wohngebäuden ist, kommt eine eindeutige Antwort. Elektrik. Rund 32 Prozent aller Wohnungsbrände in Deutschland gehen auf elektrische Mängel zurück (Quelle: Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung). In absoluten Zahlen sind das etwa 60.000 Brände pro Jahr. Was Hauseigentümer dagegen tun können, fassen wir hier zusammen, ohne Panik und ohne Verkaufsdruck.
Wo Brände in der Elektrik entstehen
Es brennt selten in der Wand. Brände entstehen typischerweise an Klemmstellen, also dort wo Drähte mit Schrauben oder Federklemmen verbunden sind. Die Mechanik der Verbindung lockert sich über Jahre. Wo eine lockere Klemme sitzt, steigt der Übergangswiderstand. Strom fließt, Wärme entsteht, das umliegende Kunststoffmaterial der Dose verfärbt sich, schmort, im Extremfall entzündet es sich.
Die kritischen Punkte sind:
- Sicherungskasten und Hauptverteilung
- Steckdosen, vor allem die mit Dauerlast (Kühlschrank, Trockner, Heizlüfter)
- Schalter mit hoher Schalthäufigkeit
- Verbindungen in Verteilerdosen, oft hinter Tapeten und Möbeln nicht sichtbar
- Übergänge alt zu neu (Alu-zu-Kupfer, lose Lüsterklemmen)
Eine schlechte Klemme schmort selten von heute auf morgen durch. Es ist meistens ein Prozess über Monate oder Jahre. Wer den frühen Geruch nach warmem Kunststoff bei einer Steckdose nicht ernst nimmt, riskiert einen Brand zu einem Zeitpunkt, an dem niemand zu Hause ist.
Was FI und LS leisten
In jedem modernen Verteiler sitzen heute zwei Arten von Schutzschaltern.
LS (Leitungsschutzschalter, früher Sicherung). Schaltet bei Überlast oder Kurzschluss ab. Bei einer normalen 16-Ampere-Sicherung passiert das, wenn auf der Leitung dauerhaft mehr als 16 Ampere fließen oder ein direkter Kurzschluss vorliegt. LS-Schalter schützen die Leitung vor Überhitzung. Sie tun das gut.
FI (Fehlerstromschutzschalter, auch RCD). Schaltet ab, wenn ein Teil des Stroms nicht über die Leitung zurückkommt, sondern über einen anderen Weg (Mensch, feuchte Wand, defektes Gerät). FI-Schalter sind in erster Linie Personenschutz. Sie verhindern Stromschläge. Dass sie nebenbei auch manche Brandszenarien verhindern, ist eine schöne Beigabe.
Was beide nicht zuverlässig erkennen: lose Klemmen, schadhafte Isolierungen, die nur unter Last Strom verlieren, und Lichtbögen. Das ist die Lücke, in die AFDD-Schalter springen.
AFDD: der Brandschutzschalter
AFDD steht für Arc Fault Detection Device. Übersetzt: Lichtbogen-Erkennungs-Schalter, im Volksmund Brandschutzschalter. Das Gerät analysiert ständig die elektrische Signatur auf der Leitung. Lichtbögen, die in einer schadhaften Klemme oder einer beschädigten Leitung entstehen, haben ein charakteristisches Muster. Erkennt das Gerät dieses Muster, schaltet es ab, bevor genug Wärme entsteht, um etwas zu entzünden.
Seit Dezember 2018 schreibt die DIN VDE 0100-420 AFDD-Schalter für bestimmte Räume in Neubauten vor:
- Schlafräume in Wohngebäuden
- Räume mit brennbaren Baustoffen (Holzbauweise, Reet)
- Räume mit besonderer Brandgefahr (Holzwerkstätten, Lager)
- Räume mit unersetzlichen Gütern (Archive, Museen)
In der praktischen Anwendung heißt das: ein Reihenhaus-Neubau in Lohbrügge bekommt AFDD an den Stromkreisen, die in den Schlafräumen enden. Bei einem Bestandsbau besteht keine Nachrüstpflicht, aber wir empfehlen den Einbau bei größeren Sanierungen.
Was AFDD kostet
Realistische Hausnummern für Hamburger Projekte:
| Variante | Kosten |
|---|---|
| Ein AFDD-Schalter (Modul für Hutschiene) | 90 bis 180 Euro Material |
| Nachrüstung in bestehender Verteilung, drei Stromkreise | 450 bis 800 Euro inkl. Arbeit |
| AFDD für ein komplettes Einfamilienhaus (8 Stromkreise) | 1.200 bis 2.000 Euro inkl. Arbeit |
| AFDD als Teil eines Zählerschrank-Tauschs | Mehrkosten 600 bis 1.200 Euro |
Die Module sind nicht klein. Pro Stromkreis brauchen sie auf der Hutschiene zwei Module breit. In einer engen Bestandsverteilung muss man manchmal eine größere Verteilung wählen, das treibt die Kosten.
Bei welchen Räumen lohnt die Nachrüstung?
Wir empfehlen Nachrüstung nicht für jeden Raum. Eine sinnvolle Reihenfolge sieht so aus:
Erste Priorität: Schlafzimmer, vor allem Kinderzimmer. Im Schlaf merkt niemand Schmorgeruch. Wer einen Hausbrand statistisch nicht überlebt, tut das im Schlaf.
Zweite Priorität: Räume mit viel brennbarem Inventar. Holzwerkstätten, Hobbyräume mit Lacken oder Lösungsmitteln, Dachböden mit Stoff- oder Papierlager.
Dritte Priorität: Räume mit Dauerlast und älteren Geräten. Hauswirtschaftsräume mit Trockner und Tiefkühltruhe, Heizungsraum.
Eher nicht: Bäder (hier ist FI wichtiger), Küchen (FI ist Pflicht, AFDD hilft, aber Kosten-Nutzen ist schlechter), Flure ohne Möbel.
Was wir in der Praxis machen
Bei einem Zählerschrank-Tausch in Bergedorf, Reinbek oder im Bezirk fragen wir den Kunden konkret: wo möchten Sie AFDD haben? Wir verkaufen nicht jedem den maximalen Ausbau, weil wir wissen, dass nicht jeder Stromkreis denselben Schutz braucht. Eine typische Verteilung in einem mittleren Einfamilienhaus hat bei uns:
- FI für alle Endstromkreise (Pflicht)
- LS pro Stromkreis (Pflicht)
- Typ-2-Überspannungsschutz (Pflicht im Neubau, dringend empfohlen)
- AFDD an Schlafräumen und kritischen Stromkreisen (Empfehlung)
- separate Tarifstränge für Wallbox und Wärmepumpe, wo vorhanden
So sieht ein moderner Verteiler aus, kein Ausverkauf, kein Sparmodell.
Was Versicherungen sagen
Wohngebäude- und Hausratversicherungen verlangen heute keinen AFDD-Schutz als Bedingung. Das kann sich in den nächsten Jahren ändern. Schon jetzt fragen einige Versicherer im Schadensfall, ob die Anlage normgerecht ausgeführt war. Wer einen Brand hat und nachweisen kann, dass die Anlage auf aktuellem Stand war, vermeidet Diskussionen.
Wir geben unseren Kunden nach jeder größeren Arbeit ein Mess- und Prüfprotokoll. Das ist die Dokumentation, die der Versicherung im Schadensfall genügt.
Vier praktische Schritte für Hauseigentümer
Wer wenig Geld in die Hand nehmen will, aber das Brandrisiko reduzieren möchte, sollte vier Dinge angehen.
- Sichtkontrolle Steckdosen und Schalter in der ganzen Wohnung. Verfärbte Klemmen, lose Schalter, gelbliche Stellen sind Warnzeichen.
- Sicherungskasten kontrollieren lassen, ob FI vorhanden ist. Wenn nicht, nachrüsten. Kostet 200 bis 600 Euro, ist sinnvoll investiert.
- Geräte mit Dauerstrom prüfen. Mehrfachsteckdosen mit Trockner, Wäschetrockner oder Heizlüfter sind Risiko-Quellen. Lieber feste Steckdose installieren als Verlängerung benutzen.
- Einmal pro Quartal FI testen. Dafür gibt es den Test-Knopf am Schalter. Drückt man ihn, sollte der FI auslösen. Wenn nicht, muss er getauscht werden.
E-Check als ehrliche Bestandsaufnahme
Wir machen E-Checks nach DIN VDE 0105-100 in Bergedorf und im Umland. Dauert in einem mittleren Einfamilienhaus drei bis vier Stunden, kostet zwischen 250 und 450 Euro, hängt von der Größe ab. Am Ende haben Sie ein dokumentiertes Protokoll mit Empfehlungen. Wir sagen dabei klar, was Pflicht ist, was Empfehlung, was Spielerei. Versprochen.
Ehlers Elektrotechnik Billwerder Billdeich 601i, 21033 Hamburg Telefon: 0176 / 811 767 96 Mail: Info@Ehlers-Elektrotechnik.de