Infrarotheizung: technisch sinnvoll oder Hype?
Auf Messen und in Baumärkten werden Infrarotpaneele aktuell verkauft, als wären sie die Lösung für alles. „Genauso effizient wie eine Wärmepumpe, nur ohne Bauaufwand." Das stimmt so nicht. Wir installieren Infrarotheizungen, wir machen das gerne, aber wir sagen Kunden vorher ehrlich, wo der Sinn aufhört.
Hier kommt unsere Einschätzung aus der Praxis in Bergedorf, Reinbek und Wentorf. Wo Infrarot wirklich passt, was es kostet, und wann eine Wärmepumpe die bessere Wahl ist.
Wie Infrarotheizung wirklich funktioniert
Anders als ein Konvektor, der Luft erwärmt, sendet ein Infrarotpaneel Strahlungswärme aus. Diese Strahlung trifft auf feste Körper (Wände, Möbel, Menschen) und erwärmt diese direkt. Die Luft im Raum wird sekundär warm. Das fühlt sich an wie Sonne auf der Haut: angenehm punktuell, ohne dass der ganze Raum durchgeheizt ist.
Wirkungsgrad: knapp 100 Prozent. Was an Strom rein geht, kommt als Wärme raus. Das ist physikalisch identisch zu jeder anderen elektrischen Heizung. Wer behauptet, Infrarot sei „effizienter als Wärmepumpe", verbreitet Unfug. Die Wärmepumpe holt sich zwei bis vier Mal so viel Wärme aus dem Strom, weil sie zusätzlich Umgebungswärme nutzt.
Was Infrarot ausspielt: gefühlte Wärme bei niedrigerer Lufttemperatur, schnelle Reaktion, keine Wartung, geringe Investition.
Wo wir Infrarot wirklich empfehlen
Es gibt vier Anwendungsfälle, in denen wir die Technik regelmäßig einbauen und auch guten Gewissens empfehlen:
Bad-Spiegel oder Handtuchwärmer-Ersatz. Ein Infrarot-Spiegelheizpaneel im Bad ist Komfortklasse. 600 W reichen für ein 6-m²-Bad als Zusatzwärme morgens. Anschaltzeit zehn Minuten vor dem Duschen, Stromverbrauch überschaubar.
Wintergärten und Übergangsräume. Räume, die nicht ganztags geheizt werden, sondern punktuell. Sitzplatz im Wintergarten an einem kühlen Herbstabend. Atelier im Dachgeschoss, das nur zwei Stunden pro Tag genutzt wird. Hier ist die schnelle Reaktion und das Ausschalten ohne Nachlaufverluste der echte Vorteil.
Einzelräume bei Mietern oder Eigentümern, die keine Komplettsanierung wollen. Wenn der Heizöl-Heizkörper kaputt geht und der Eigentümer nicht das ganze System tauschen will, ist ein Infrarotpaneel als Ersatz für einen Raum eine Lösung. Eingriffsarm, schnell montiert.
Ferienwohnungen oder selten genutzte Räume. Gartenhaus, Carport-Werkstatt, Hobbyraum. Wo Heizung selten und dann sofort gebraucht wird, schlägt Infrarot die Wärmepumpe, die zum Hochfahren Zeit braucht.
Wo wir abraten
Infrarotpaneele als alleinige Heizquelle für ein ganzes Einfamilienhaus sind in fast allen Fällen die teuerste Lösung über die Lebensdauer. Wir hatten letztes Jahr einen Anruf aus Wentorf, ein Hausbesitzer wollte sein 130-m²-Haus komplett auf Infrarot umstellen. Investition für die Paneele etwa 7.000 Euro, Elektrik dazu 4.500 Euro, also Gesamt rund 11.500 Euro. Klingt nach wenig im Vergleich zur Wärmepumpe für 30.000 Euro.
Aber: bei 16.000 kWh Heizwärmebedarf im Jahr (typischer Altbau ohne Topdämmung) entstehen mit Infrarot 16.000 kWh Strombedarf, was zu aktuellen Tarifen rund 5.600 Euro Stromkosten pro Jahr macht. Die Wärmepumpe käme mit etwa 5.300 kWh hin, also 1.850 Euro. Differenz: 3.750 Euro pro Jahr. Über zehn Jahre also 37.500 Euro Mehrkosten Strom, was die geringere Investition mehr als auffrisst.
Dazu kommt: keine Förderung für Infrarot als Komplettlösung im EFH, weil sie nicht als förderfähige Heiztechnologie gelistet ist.
Anschluss durch den Elektriker
Infrarotpaneele liegen in der Regel bei 300 bis 1.000 Watt pro Stück. Was wir machen:
Jeder Raum bekommt einen eigenen Stromkreis oder eine gemeinsam abgesicherte Gruppe, abhängig von Gesamtleistung. Ein 500-W-Paneel braucht keine eigene Leitung, kann an einer normalen Steckdose hängen, sofern der Stromkreis nicht überlastet wird. Mehrere Paneele in einem Raum (z. B. zwei mal 800 W plus eines im Bad) werden meistens mit eigenem LS-Schalter abgesichert.
Wichtig ist die Steuerung. Ein Paneel ohne Thermostat heizt durch, bis jemand es abschaltet. Standardlösung: Funk-Raumthermostat pro Raum, Funkempfänger im Paneel oder als Zwischenstecker. Hersteller wie Eberle, Theben oder die Smart-Home-Anbieter Homematic IP und Shelly bieten passende Komponenten. Eine smarte Lösung über App und Zeitsteuerung kostet pro Raum zwischen 80 und 200 Euro extra Hardware, plus die Einrichtung.
FI-Schalter ist Pflicht im Bad und in feuchten Räumen. Bei Neuinstallation ohnehin Standard.
Kostenrechnung gegen Wärmepumpe
Beispielhaus 110 m², Heizwärmebedarf 13.000 kWh pro Jahr, Jahreshaushaltsstromtarif aktuell etwa 35 Cent pro kWh, Wärmepumpentarif etwa 28 Cent pro kWh.
Infrarot: Investition 9.000 Euro (Paneele plus Elektrik plus Steuerung), jährliche Stromkosten rund 4.550 Euro. Zehnjahres-Gesamtkosten: 54.500 Euro.
Wärmepumpe: Investition 28.000 Euro abzüglich 16.800 Euro BEG-Förderung (60 Prozent) gleich 11.200 Euro netto. Jährliche Stromkosten rund 1.260 Euro. Zehnjahres-Gesamtkosten: 23.800 Euro.
Der Vergleich ist eindeutig, sobald die Heizung tatsächlich ganztägig laufen muss. Für einzelne Räume oder Zusatzwärme dreht sich das Bild, weil dann die hohe Investition der Wärmepumpe nicht sinnvoll ist.
Smart-Home-Anbindung
Wer Infrarot mit smarter Steuerung kombiniert, holt das Maximum raus. Beispiele aus unseren Projekten:
Geofencing-Steuerung, die das Paneel im Bad anschaltet, sobald der Bewohner auf dem Heimweg ist. Anwesenheitserkennung in Wintergärten, die nur heizt, wenn jemand drin ist. Zeitfenster-Steuerung pro Raum mit unterschiedlichen Komforttemperaturen morgens, mittags und abends.
Standardlösungen über KNX, Loxone, Homematic oder Shelly. Wir verbauen alles, was Strom an Infrarot sinnvoll dosiert.
Kontakt
Telefon: 0176 / 811 767 96 Mail: Info@Ehlers-Elektrotechnik.de
Wir kommen gerne vor der Entscheidung vorbei und schauen, ob Infrarot bei Ihrem Haus oder Ihrer Wohnung sinnvoll ist. Wir sagen ehrlich, wenn die Wärmepumpe die bessere Wahl wäre, auch wenn wir an der Infrarot-Variante mehr verdienen würden.