IoT-Geräte im Haushalt: was die Elektrik können muss
In einem typischen Hamburger Haushalt im Jahr 2026 hängen zwischen 25 und 80 internetfähige Geräte am WLAN. Router, Mesh-Knoten, Hue-Bridges, smarte Steckdosen, Saugroboter, Sprachassistenten, Heizungsthermostate, Türklingel-Kameras, Garagentormodule, Smart-TV, Spielekonsole, Drucker, Laptop, Smartphones, Tablets. Jedes davon will Strom, viele wollen WLAN, ein paar brauchen festes Netzwerkkabel, und das Ganze möchte 24 Stunden funktionieren. Hier eine Sortierung, was die Elektrik dafür leisten muss, ohne dass jeder Bereich aussieht wie ein Serverraum.
Was IoT vom klassischen Elektroplan unterscheidet
Klassische Elektrik plant pro Raum eine bestimmte Anzahl Steckdosen, ein oder zwei Lichtkreise, vielleicht einen Herdanschluss. Punkt. IoT verlangt mehr:
- Dauerstrom an Stellen, wo früher nichts war (Garderobe, Flur, Küchen-Arbeitsplatte)
- WLAN-Versorgung in allen Räumen, ohne dass der Router-Standort die Internetqualität dominiert
- Geringe, aber dauerhafte Standby-Last (oft 50 bis 200 Watt summiert über alle Geräte)
- Schutz gegen Spannungsausfälle für IT-Zentrale, Router und Smart-Home-Hub
- Manchmal: separate Stromkreise für IT, damit ein FI-Auslösen im Bad nicht den Server killt
In einem Neubau lässt sich das alles sauber planen. Im Bestandsbau geht es um Nachrüstung, oft im Rahmen einer Renovierung.
Stromversorgung für viele WLAN-Geräte
Eine smarte Steckdose zieht 0,5 bis 2 Watt im Standby. Ein WLAN-Router zwischen 8 und 18 Watt. Eine Hue-Bridge etwa 2 Watt. Ein NAS-Server zwischen 25 und 60 Watt. Klingt nach wenig, summiert sich aber. Wir sehen bei einem typischen Hamburger Reihenhaus mit gut ausgestattetem Smart Home Standby-Lasten zwischen 110 und 220 Watt, das macht im Jahr 950 bis 1.900 Kilowattstunden, je nach Strompreis 290 bis 580 Euro.
Was die Elektrik leisten muss: zuverlässige Versorgung an den richtigen Stellen. Konkret:
- Doppelsteckdose mit USB direkt am Schreibtisch und am Bett
- Steckdose hinter dem Fernseher mit mindestens 4 Plätzen
- Steckdose im Flur in Türnähe (für Türklingel-Zubehör, Akku-Ladestationen)
- Steckdose im Hauswirtschaftsraum oder im Hausanschlussraum für Router-Standort
- Steckdosen unter den Fenstern, wo später Sensoren oder Heizungsthermostate sitzen können
Das klingt banal, ist aber der Unterschied zwischen einem Smart Home, das funktioniert, und einem mit Verlängerungskabel-Salat.
Mesh-Router-Verteilung
Ein einzelner WLAN-Router in einem 140-Quadratmeter-Reihenhaus schafft die Fläche selten zuverlässig. Beton, Stahlbau, Lehmwände in Altbauten, mehrere Geschosse. Mesh-Systeme verteilen die WLAN-Versorgung auf 2 bis 4 Knoten, die untereinander kommunizieren. Voraussetzung: jeder Mesh-Knoten braucht Strom.
Standard-Position für Mesh-Knoten in einem Reihenhaus:
- Hauptknoten am Hausanschluss (dort wo Internet ankommt)
- Zwischenknoten im Treppenhaus oder im mittleren Flur, eine Etage hoch
- Endknoten in dem Raum, wo das WLAN am häufigsten gebraucht wird (Homeoffice oder Wohnzimmer)
- Optionaler Knoten im Außenbereich (Garten, Carport) für PV-Wechselrichter-Kommunikation, Saugroboter-Ladestation oder Wallbox
Pro Knoten braucht es eine Steckdose in geeigneter Position. Wo die Mesh-Knoten ohne Ethernet-Backhaul auskommen müssen (also nur über Funk untereinander reden), halbiert sich die Bandbreite pro Sprung. Wer ernsthaft schnelles WLAN haben will, baut bei der Renovierung LAN-Kabel.
LAN-Verkabelung parallel zur Elektrik
Hier kommen wir auf den unbeliebten Teil. Wer ein Haus modernisiert oder neu baut und an Smart Home denkt, sollte LAN-Kabel parallel zur Stromkabel-Verlegung mitziehen. Konkret CAT6a oder CAT7, in geschirmter Ausführung.
Sinnvolle Endpunkte:
- Hinter dem Fernseher (4K-Streaming, Netflix, Spielekonsole)
- An den Mesh-Router-Positionen (Ethernet-Backhaul)
- Im Homeoffice (Videocalls, Cloud-Sync)
- Am Schreibtisch der Kinder (Schul-Notebook)
- An der Position der Türklingel-Kamera (PoE-Versorgung)
- An Stelle der Außen-Überwachungskamera (PoE)
- Im Hausanschlussraum (zentrale Patch-Box)
Material kostet bei einer Neuverlegung im Rahmen einer Renovierung nicht viel: pro Endpunkt etwa 35 bis 80 Euro Material, plus Verlegearbeit, die ohnehin läuft. Nachträgliches Einziehen in fertige Wände ist deutlich teurer (200 bis 500 Euro pro Endpunkt).
Wir haben in Bergedorf Renovierungen gemacht, bei denen wir zehn Cat-Anschlüsse mit gelegt haben, Mehrkosten unter 1.500 Euro. In drei Jahren später hat keiner den Aufpreis bereut.
Eigene Stromkreise für IT-Zentralen
In einem typischen Bestandsbau hängt der Router meist am gleichen Stromkreis wie Wohnzimmer-Steckdosen. Wenn dort der FI auslöst (defekter Haartrockner, Staubsauger), geht das Internet aus. Im Homeoffice ein Problem.
Für IT-affine Haushalte oder Selbstständige im Homeoffice empfehlen wir einen eigenen Stromkreis für die IT-Zentrale. Das heißt:
- Eigener Leitungsschutzschalter im Hauptverteiler
- Eigener FI für diesen Stromkreis (oder Anschluss an eine separate FI-Gruppe)
- Steckdose im Hausanschlussraum oder im IT-Schrank
- Beschriftung: „IT, nicht abschalten"
Mehrkosten bei einer ohnehin geplanten Zählerschrank-Modernisierung: 80 bis 180 Euro. Bei nachträglichem Einbau ohne andere Arbeit: 250 bis 450 Euro.
Sinnhaftigkeit einer USV
Eine USV (unterbrechungsfreie Stromversorgung) hält bei einem Stromausfall die wichtigsten Geräte für 5 bis 30 Minuten am Laufen. Sinnvoll für:
- Router, ONT (Glasfaser-Modem), Mesh-Hauptknoten
- NAS-Server, sofern aktive Datenübertragung läuft
- Smart-Home-Hub, der Heizung steuert
- Telefonanlage, wo Notrufe relevant sind
Für den Heim-Einsatz reicht eine kleine USV mit 600 bis 1500 VA Leistung. Kosten 120 bis 350 Euro. Akkulaufzeit bei dem typischen Heimstandby (Router plus Hub, ca. 25 Watt): 45 bis 90 Minuten.
Was eine Haushalts-USV nicht kann: stundenlange Stromausfälle überbrücken, Computer dauerhaft betreiben, Beleuchtung halten. Dafür braucht es eine größere Lösung mit Batteriespeicher oder Notstromaggregat, das ist ein anderer Aufsatz.
Was sich bei einem Stromausfall in Hamburg im Sommer nach Gewittern bewährt hat: USV am Router und am ONT. Die Internetverbindung steht oft, die meisten Mobilfunkmasten haben eigene Notstromversorgung. Wer in dem Moment vom Handy aus arbeiten kann, hat einen entspannten Nachmittag, während die Nachbarn in der Lichtlosigkeit hocken.
Konkretes Setup für ein modernes Hamburger Reihenhaus
Was wir 2025 bei einer Renovierung in Bergedorf-Lohbrügge gemacht haben (Reihenhaus, 145 Quadratmeter, drei Geschosse, Vermieter wollte als Eigennutzer einziehen):
- Neuer Zählerschrank mit FI-Pärchen, Typ-2-Überspannungsschutz, separater Tarifsteuerung
- Eigener Stromkreis für IT-Zentrale im Hausanschlussraum
- 11 Cat6a-Anschlüsse verteilt über die drei Etagen (Wohnzimmer, drei Schlafräume, Homeoffice, Küche, Hausanschluss)
- Mesh-Router-System mit drei Knoten (Hausanschluss, Treppenhaus, Wohnzimmer), alle per LAN-Backhaul
- 38 Steckdosen, davon 12 mit USB-Anschluss (Bett, Schreibtisch, Sofa)
- Zwei Außensteckdosen für Garten und Carport
- USV im Hausanschlussraum für Router, ONT, NAS
Stromseitige Mehrkosten gegenüber „Standard-Renovierung": rund 2.800 Euro netto. Plus Material-Aufpreis für die LAN-Verkabelung: rund 950 Euro. Investition gut angelegt für jemanden, der ein Jahrzehnt drin wohnen will und Homeoffice macht.
Was wir konkret machen
Planung und Ausführung der kompletten Elektrik bei Renovierung und Neubau in Bergedorf, Lohbrügge, Wentorf, Reinbek, Glinde und Bezirk. Wir sind Elektroseite, nicht Internetdienstleister. Das heißt: wir planen Stromkreise, Verteiler, Steckdosen, Cat-Verkabelung, leere Rohre für spätere Erweiterungen. Wir installieren keine Router-Konfigurationen, kein Mesh-Tuning, keine Smart-Home-Hub-Programmierung über Standardfunktionen hinaus.
Für KNX-Systeme (echter Bus, programmierbar) haben wir einen eigenen Service-Schwerpunkt. Hier ist die Elektrik nicht nur Versorger, sondern Teil der Steuerung.
Kontakt
Ehlers Elektrotechnik Billwerder Billdeich 601i, 21033 Hamburg Telefon: 0176 / 811 767 96 Mail: Info@Ehlers-Elektrotechnik.de
Wenn Sie eine Renovierung planen und wissen wollen, wie die Elektrik zukunftsfähig wird für Homeoffice, Smart Home und 80 IoT-Geräte: kurzer Anruf mit Wohnfläche und Geschossen, wir kommen vorbei und planen die Cat- und Stromkreis-Struktur, bevor der erste Putz fällt.