Smart Home oder klassische Elektrik?
Wer ein Haus baut, saniert oder eine Wohnung umfangreich modernisiert, steht oft vor der Frage: Smart Home installieren oder klassische Elektrik bleiben lassen? Die Antwort ist nicht so eindeutig, wie viele Werbeprospekte glauben machen. Hier eine Entscheidungshilfe aus der Praxis.
Was wir mit „Smart Home" eigentlich meinen
Smart Home ist ein Sammelbegriff, der sehr Verschiedenes umfasst. Von der App-gesteuerten LED-Birne, die niemand wirklich braucht, bis zur kompletten Gebäudeautomation per KNX-Bus, die für Komfort und Energieeinsparung wirklich etwas bringt.
Grob lassen sich drei Stufen unterscheiden:
Stufe 1: Insellösungen. Einzelne smarte Geräte ohne zentrale Steuerung. WLAN-Steckdosen, Hue-Lampen, ein smarter Heizungs-Thermostat. Funktioniert, hat aber den Nachteil, dass am Ende jedes Gerät seine eigene App braucht und nichts wirklich miteinander redet.
Stufe 2: System-Smart-Home über Funk. Lösungen wie Homematic IP, Loxone Air, oder Apple HomeKit. Verschiedene Geräte werden über eine Zentrale verbunden, lassen sich szenenweise steuern. Funkbasiert, also nachrüstbar, aber teils mit Reichweitenproblemen und Abhängigkeit von einem Hersteller.
Stufe 3: Verkabelte Gebäudeautomation, meistens KNX. Der Bus liegt parallel zur Stromleitung in der Wand. Jeder Schalter, jeder Sensor, jede Steuerung hängt am Bus. Kein WLAN nötig, sehr zuverlässig, lässt sich auch in 20 Jahren noch erweitern. Aber teurer, und nur bei Neubau oder Komplettsanierung sinnvoll.
Was Smart Home wirklich bringt (und was nicht)
In der Beratung in Bergedorf, Lohbrügge und Wentorf erleben wir oft, dass Kunden über Smart Home reden, aber drei verschiedene Dinge meinen:
Echte Mehrwerte:
- Heizungssteuerung pro Raum, mit Anwesenheits-Erkennung. Spart laut Studien zwischen 8 und 18 Prozent Energie pro Jahr.
- Beleuchtungs-Szenen, also „Fernsehen abends" oder „Kommen nach Hause", die mit einem Knopfdruck mehrere Lampen schalten.
- Rollladen- und Markisensteuerung mit Sonnenschutz, gerade auf der Süd- und Westseite eines Hauses.
- Anwesenheitssimulation im Urlaub.
- Verknüpfung mit PV und Wallbox: das Auto lädt, wenn die Sonne scheint, und der Trockner startet automatisch.
Was eher Spielerei ist:
- App-gesteuerte einzelne LED-Lampen ohne Gesamtkonzept
- Sprachsteuerung über Alexa für jeden einzelnen Schalter (wird nach drei Wochen nicht mehr genutzt)
- „Smart" beworbene Geräte, die nur per App funktionieren und sonst gar nicht
- Kühlschränke mit Display und Wetterbericht
Wann sich KNX lohnt
KNX, also der verkabelte Bus, lohnt sich grob ab folgenden Schwellen:
- Neubau oder Komplettsanierung (Wände sind ohnehin offen, Mehrkosten überschaubar)
- Größere Einfamilienhäuser, mindestens 130 Quadratmeter, mit mehreren Etagen
- Häuser mit PV-Anlage, Wärmepumpe, Wallbox (Verknüpfung der Systeme bringt echten Mehrwert)
- Eigentümer, die langfristig denken und in 20 Jahren noch erweitern wollen
Die Mehrkosten für KNX gegenüber klassischer Installation liegen je nach Hausgröße zwischen 8.000 und 25.000 Euro. Das klingt viel, ist aber im Verhältnis zu den Gesamtkosten eines Neubaus oder einer Komplettsanierung oft unter zehn Prozent.
Wann eine klassische Installation die bessere Wahl ist
Genauso oft sagen wir in der Beratung: lassen Sie Smart Home erstmal weg. Drei typische Fälle:
Wer in einer Mietwohnung wohnt. Eine KNX-Verkabelung kann der Mieter ohnehin nicht selbst entscheiden. Smarte Insellösungen wie Hue oder Homematic IP sind möglich und reichen meistens.
Wer nicht plant, das Haus lange zu bewohnen. Smart Home macht sich finanziell nicht in fünf Jahren bezahlt. Wer in zwei oder drei Jahren wieder verkauft, bekommt die Investition selten zurück.
Wer schlicht keine Lust hat, mit Apps und Konfigurationen umzugehen. Smart Home funktioniert am besten, wenn jemand im Haushalt sich darum kümmert und Spaß daran hat. Wenn das niemand tut, ärgert man sich später über Updates, gestörte Verbindungen und Neukonfigurationen.
Ein guter Mittelweg
Wir empfehlen Kunden in Bergedorf und Umgebung oft einen mittleren Weg: klassische Elektrik mit smarten Vorbereitungen.
Konkret heißt das:
- KNX-fähige Verkabelung im Hintergrund mitlegen, auch wenn aktuell noch nicht genutzt
- Leerrohre zu wichtigen Punkten für spätere Sensoren oder Aktoren
- Im Sicherungsschrank Platz für Smart-Home-Komponenten freihalten
- Konventionelle Schalter installieren, aber so verdrahtet, dass sie später auf Bus umgestellt werden können
So bleibt die Tür für Smart Home offen, ohne dass jetzt das große Budget reinfließen muss. Wer in fünf Jahren feststellt, „doch, ich will das", kann nachrüsten ohne neue Wandschlitze.
Was wir nicht machen
Wir sind kein reiner KNX-Spezialist. Wenn jemand einen kompletten Loxone-Server, eine eigene Server-Rack im Keller und programmierbare Lichtszenen für 47 Räume will, ist ein hoch spezialisierter Smart-Home-Anbieter wahrscheinlich die bessere Wahl. Wir setzen Smart Home in einem Umfang um, den ein normales Einfamilienhaus oder eine größere Wohnung sinnvoll braucht. Heizungssteuerung, Beleuchtung, Rollladen, einfache Szenen. Das geht bei uns, sauber und mit Garantie.
Kostenlose Beratung
Wenn Sie planen und unsicher sind, kommen Sie ins Gespräch. Wir nehmen uns eine Stunde Zeit, schauen uns Ihr Haus an oder die Pläne, und sagen ehrlich, was wir empfehlen würden. Ob das am Ende klassische Elektrik, KNX oder eine Mischlösung wird, hängt von Ihnen ab. Wir verkaufen Ihnen nichts, was Sie nicht brauchen.
Telefon: 0176 / 811 767 96