Kindersicherung in Steckdosen: Pflicht, sinnvoll, oder Panik?
Junge Eltern in Bergedorf rufen uns regelmäßig an. Die Frage ist fast immer dieselbe: „Müssen wir jetzt alle Steckdosen tauschen, bevor das Kind krabbelt?" Die Antwort ist ruhiger, als manche Drogeriemarkt-Beratung glauben macht. Hier die Fakten.
Was die VDE wirklich vorschreibt
Die Normen DIN VDE 0620 und DIN 49440 regeln den Aufbau von Schuko-Steckdosen für Wohngebäude. Seit Mitte 2016 schreibt die Norm vor, dass alle neu in Verkehr gebrachten Steckdosen in Wohnbereichen einen erhöhten Berührungsschutz haben müssen. Konkret: integrierte Kindersicherung über Drehkontakte oder Sperrlamellen, die sich nur öffnen, wenn beide Stifte gleichzeitig eindrücken.
Was das praktisch heißt: jede Steckdose, die ein Elektriker seit 2016 neu eingebaut hat (oder einen reinen Tausch gemacht hat), erfüllt diese Anforderung schon. Sie müssen da nichts nachrüsten.
Was ebenso wichtig ist: für bereits installierte alte Steckdosen besteht keine Nachrüst-Pflicht. Bestandsschutz. Die Norm gilt für Neuverkauf und Neuinstallation, nicht rückwirkend.
Wann der Bestandsschutz endet
Sobald Sie aus anderen Gründen die Elektrik anfassen lassen, kommt die aktuelle Norm zum Zug. Beispiele:
- Sie lassen einen Stromkreis erneuern: dann müssen die Steckdosen darin auf aktuellem Stand sein
- Sie lassen den Zählerschrank modernisieren: das berührt die Steckdosen erstmal nicht, aber wir prüfen meistens das ganze System mit
- Sie sanieren ein Zimmer und ziehen neue Leitungen: dann gibt es neue Steckdosen, automatisch mit Sicherung
In einem Reihenhaus in Wentorf hatten wir kürzlich eine Sanierung im Kinderzimmer. Alte Steckdosen aus den 80ern, ohne integrierten Berührungsschutz. Da haben wir natürlich die aktuelle Norm umgesetzt. Bei den anderen Zimmern blieb erstmal alles wie es war, weil dort kein Eingriff nötig war.
Sind die alten Steckdosen jetzt gefährlich?
Ehrlich gesagt: nicht so dramatisch wie viele denken. Erstens haben deutsche Schuko-Steckdosen schon ab Werk eine konstruktive Hürde, weil die Kontakte tief und enger Bauart sind. Kinderfinger passen nicht ohne Werkzeug rein. Zweitens schützt seit den 80ern in fast allen Häusern ein FI-Schutzschalter im Verteilerkasten, der bei Berührung des Stromkreises in unter 30 Millisekunden auslöst.
Das eigentliche Risiko liegt nicht bei zufälligen Berührungen mit einem Finger, sondern bei zielgerichteten Versuchen mit metallischen Gegenständen: Haarnadel, Schraubenzieher, Schlüssel. Da hilft auch eine moderne Steckdose nur bedingt, denn wer wirklich beide Lamellen gleichzeitig eindrückt, kommt rein.
Was Sie also realistisch tun: FI-Schutzschalter prüfen lassen, falls noch nicht vorhanden. Steckdosen in Reichweite des Kindes kontrollieren. Aufpassen, dass keine offen liegenden Verlängerungskabel oder kaputten Steckdosen rumstehen.
Nachrüstbare Kappen: hilfreich oder Spielzeug?
Im Drogeriemarkt gibt es zwei Bauarten:
Aufsteck-Stöpsel. Werden in die Steckdose gesteckt, lassen sich nur mit speziellem Plastik-Schlüssel rauspopeln. Vorteil: günstig, einfach. Nachteil: das Kind sieht den Schlüssel hängen, lernt schnell wie es geht, und die Stöpsel können bei häufigem Stecken-und-Ziehen die Lamellen ausleiern.
Dreh-Innensicherung. Wird hinter die Steckdosen-Abdeckung montiert, also direkt in die Steckdose eingebaut, ohne den Stromkreis zu trennen. Funktioniert ähnlich wie die normgerechte Werks-Lösung. Vorteil: dauerhaft, kein sichtbares Plastik, beliebig oft Geräte einstecken. Nachteil: muss spannungsfrei geschaltet und korrekt eingebaut werden. Macht der Elektriker in ein paar Minuten pro Steckdose. Kostenpunkt: 8 bis 15 Euro pro Stück inkl. Einbau, also bei 20 Steckdosen im Haus 160 bis 300 Euro.
Wir empfehlen den Drogeriemarkt-Stöpsel für temporäre Lösungen (Großeltern haben Besuch, Tagesmutter kommt ab und zu), die Innensicherung für Eltern, die längerfristig planen und es ordentlich haben wollen.
Was Tagesmütter und Kitas brauchen
Hier wird es strenger. Wer Tageskinder im eigenen Haus betreut oder eine Kita betreibt, muss laut den Trägervorgaben in Hamburg (und meist dokumentiert über die Hamburger Kita-Aufsicht) erhöhten Berührungsschutz an allen für Kinder erreichbaren Steckdosen nachweisen. Das bedeutet praktisch: integrierte Kindersicherung in der Steckdose selbst, keine reinen Stöpsel-Lösungen.
Außerdem üblich: erhöhter FI-Schutz mit 10 oder 30 mA Auslösestrom, eigene Stromkreise für die Bereiche, in denen Kinder spielen, und ein regelmäßiger E-Check mit Protokoll. Den E-Check machen wir, der Aufwand für eine Wohn-Kita liegt typisch bei 3 bis 5 Stunden plus Material.
Eine Tagesmutter aus Geesthacht hatte letztes Jahr die Eröffnung mit uns geplant. Drei Räume, 18 Steckdosen, Bestand teilweise aus den 70ern. Wir haben alle erreichbaren Steckdosen mit Innensicherung nachgerüstet, einen 30-mA-FI für den ganzen Bereich nachgesetzt und Protokoll ausgestellt. Aufwand insgesamt rund 1.100 Euro. Aufsicht akzeptierte ohne Rückfrage.
Wann ein kompletter Steckdosen-Tausch sinnvoll ist
In drei Fällen raten wir, gleich alle Steckdosen im Haus oder zumindest auf der unteren Etage zu erneuern:
- Renovierung mit neuen Tapeten oder Streichen: Steckdosen sind ohnehin demontiert, der Mehraufwand ist klein
- Bestand älter als 30 Jahre: dann sind nicht nur die Kindersicherungs-Lamellen Thema, sondern auch Klemmen, Kontakte und ggf. unzulässige Aluminium-Leitungen dahinter
- Schon erhöhter FI vorhanden: dann ist der letzte Schritt zu durchgängigem Berührungsschutz nicht mehr groß
Kostenpunkt für einen Tausch von 20 bis 25 Steckdosen im Bestand, ohne Kabelarbeiten: typisch 600 bis 900 Euro brutto. Halber Tag Arbeit.
Unsere Empfehlung
Für eine normale Familie in einem normalen Haus in Bergedorf: nicht panisch alles tauschen. Die Wahrscheinlichkeit eines Stromunfalls ist mit FI und tiefen Schuko-Kontakten gering. Wer es ordentlich machen will: nachrüstbare Innensicherungen an den Steckdosen, die das Kind erreichen kann (typisch im Wohnzimmer, Kinderzimmer, Flur unten). Für Kita- und Tagesmutter-Settings: keine Diskussion, normgerecht durchziehen.
Kontakt
Wer im Bezirk Bergedorf, Reinbek oder Wentorf seine Steckdosen sicher haben will: rufen Sie an. Aufmaß ist kostenlos, dann sehen Sie, was wirklich nötig ist und was nicht.
Telefon: 0176 / 811 767 96 Mail: Info@Ehlers-Elektrotechnik.de