Wärmepumpe braucht Strom: was der Elektriker dabei macht
Wenn der Heizungsbauer die Wärmepumpe stellt, ist die Hälfte der Arbeit erledigt. Die andere Hälfte macht der Elektriker, und genau hier wird es bei vielen Altbauten in Bergedorf, Lohbrügge oder den Vier- und Marschlanden schnell teuer, wenn vorher niemand drauf geschaut hat. Wir bekommen oft den Anruf erst, wenn die Wärmepumpe schon auf dem Hof steht und der Heizungsbauer fragt: „Wo ist der Strom?" Dann fängt der Stress an.
Hier steht, was an der elektrischen Seite einer Wärmepumpe wirklich gemacht werden muss, was es kostet und welche Stolperfallen wir immer wieder sehen.
Was eine Wärmepumpe an Strom braucht
Eine typische Luft-Wasser-Wärmepumpe für ein Einfamilienhaus liegt zwischen 6 und 12 kW elektrischer Leistung. Sole-Wasser-Anlagen brauchen etwas weniger, weil sie effizienter laufen. Dazu kommt der Anlaufstrom, der kurzzeitig deutlich höher liegen kann. Das heißt für uns:
Eigener Stromkreis vom Zählerschrank zur Wärmepumpe, meistens als 5x4 mm² oder 5x6 mm² Leitung, abhängig von Länge und Leistung. Ein eigener Leitungsschutzschalter, dazu ein FI-Schalter, der zur Wärmepumpe passt. Bei Invertergeräten ist das oft ein Typ A EV oder Typ B, weil Frequenzumrichter Gleichstromanteile erzeugen können, die ein normaler FI nicht erkennt. Wer hier den falschen FI setzt, baut sich eine Sicherheitslücke ein.
Hausanschluss-Check: das wird oft unterschätzt
Vor allem in den älteren Reihenhäusern rund um die Bergedorfer Straße oder in Lohbrügge haben wir regelmäßig Hausanschlüsse mit 35 oder 50 Ampere Vorsicherung. Das reicht für die alte Ölheizung und vier Steckdosen. Sobald aber Wärmepumpe (12 A Dauerlast, mehr beim Anlaufen) plus E-Auto-Wallbox (16 A) plus Induktionsherd (16 A) dazu kommen, ist Schluss. Stromnetz Hamburg lässt sich das nicht zweimal sagen, der Anschluss fliegt im Winter raus, wenn alles gleichzeitig läuft.
Wir prüfen vor jedem Wärmepumpen-Projekt die Vorsicherung am Hausanschlusskasten, den Querschnitt der Zuleitung und den Zählerschrank-Zustand. Wenn nötig, melden wir eine Anschlussverstärkung bei Stromnetz Hamburg an. Das dauert vier bis acht Wochen und kostet je nach Aufwand 800 bis 2.500 Euro. In den Vier- und Marschlanden, wo die Trafostationen weiter weg sind, kann auch mal mehr fällig werden.
Wärmepumpentarif: zweiter Zähler oder Kombizähler
Stromnetz Hamburg bietet einen separaten Wärmepumpentarif an, der pro kWh günstiger ist als der normale Haushaltsstrom. Im Gegenzug kann der Netzbetreiber die Wärmepumpe in Spitzenzeiten kurz abschalten, was im normalen Winterbetrieb selten passiert und die Heizung kaum beeinflusst.
Technisch heißt das: entweder ein zweiter Zählerplatz für die Wärmepumpe, oder ein Kaskadenzähler, der beide Tarife abrechnet. Beides bauen wir in den Zählerschrank ein. Bei älteren Schränken aus den 70ern oder 80ern bedeutet das meistens: Schrank muss raus, neuer Zählerschrank rein. Kostenpunkt für so eine Komplettmodernisierung liegt zwischen 1.800 und 3.500 Euro, inklusive Anmeldung und Plombierung durch den Messstellenbetreiber.
Lastmanagement: wenn Wallbox dazu kommt
Wer Wärmepumpe und Wallbox kombiniert, kommt um intelligentes Lastmanagement nicht herum. Sonst springt im Februar abends um halb sieben der Hausanschluss raus, weil Heizen, Laden, Kochen und Wäschewaschen gleichzeitig laufen. Es gibt zwei sinnvolle Wege:
Ein dynamisches Lastmanagement, das die Wallbox-Leistung reduziert, wenn die Wärmepumpe Volllast zieht. Hersteller wie Heidelberg, KEBA oder go-e haben das im Angebot. Oder ein übergeordneter Energiemanager (SMA Sunny Home Manager, Solarwatt Manager, E3/DC), der zusätzlich noch PV-Überschuss und Hausspeicher mit einbezieht. Letzteres ist bei kompletten Energiekonzepten sinnvoll, kostet aber 800 bis 2.500 Euro extra für Hardware und Inbetriebnahme.
Was die elektrische Seite typischerweise kostet
Grobe Hausnummern aus unseren letzten Wärmepumpen-Projekten:
Einfache Variante (Bestand passt, eigene Leitung, FI, Anmeldung): 500 bis 900 Euro. Mittlere Variante (Zählerschrank modernisieren, Wärmepumpentarif, neue Leitung): 1.800 bis 2.800 Euro. Vollumbau (Hausanschluss verstärken, Schrank neu, Lastmanagement mit Wallbox, PV-Vorbereitung): 2.800 bis 3.500 Euro.
Das ist die elektrische Seite ohne die Wärmepumpe selbst, ohne den Heizungsbauer und ohne Erdarbeiten bei Sole-Anlagen. Wer eine Komplettkalkulation will, sollte vor dem Heizungsangebot auch den Elektriker reinholen.
Typische Probleme bei Altbauten in Bergedorf
In den Reihenhauszeilen aus den 60ern in Lohbrügge sehen wir oft drei Dinge gleichzeitig: einen Zählerschrank mit Schraubsicherungen, einen 35-A-Hausanschluss und Aluminium-Leitungen im Verteilerbereich. Eine Wärmepumpe darf da nicht einfach ran. Das wird ein Komplettpaket aus Hausanschluss-Verstärkung, neuem Zählerschrank, neuem Wärmepumpen-Stromkreis und FI-Erneuerung.
In den Häusern aus den 90ern (etwa in Allermöhe-West oder Neuallermöhe) ist die Lage meistens entspannter. Zählerschrank ist halbwegs aktuell, Hausanschluss reicht oft, FI ist da. Da kostet die Elektrik fürs Wärmepumpen-Projekt selten mehr als 800 Euro.
In Wentorf und Reinbek (außerhalb Hamburgs Netzgebiet, dort ist SH Netz zuständig) gelten leicht andere Anmeldeprozeduren. Wir kennen die Wege, das kostet etwas mehr Papierkram, aber funktioniert.
Wann Sie uns anrufen sollten
Am besten, bevor Sie sich für eine Wärmepumpe entscheiden. Wir kommen zur Begehung, schauen uns Hausanschluss, Zählerschrank und Trasse zur geplanten Wärmepumpen-Position an, und sagen Ihnen, was die elektrische Seite kosten wird. Dann können Sie die Gesamtinvestition realistisch planen, statt böse Überraschungen zu erleben, wenn die Wärmepumpe schon im Garten steht.
Kontakt
Telefon: 0176 / 811 767 96 Mail: Info@Ehlers-Elektrotechnik.de
Erste Begehung in Bergedorf und Umland kostenlos. Wir sagen Ihnen ehrlich, ob Ihr Hausanschluss reicht oder ob er verstärkt werden muss, bevor Sie Geld in eine Wärmepumpe stecken.